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Deutsch-Südwest-Afrika : Ergebnisse einer wissenschaftlichen Reise im südlichen Damaralande / von Karl Dove
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TL Das Klima von Südwest - Afrika.

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Strahlung schützte. Die vier Seiten entsprachen genau den vier Hauptrichtungen der Windrose, und an den vier Ecken erhöhen sich vier meterhohe Pfeiler, welche ein nach Norden und Süden abfallendes, im First 3 m hohes Wellblechdach trugen. Dasselbe griff im Norden und Süden über den Bau ein wenig über. Unter dem Wellblechdach war in Pfeilerhöhe, also 2 m über dem Boden, ein horizontales Dach aus starken Binsenmatten angebracht. Die Instrumente waren in nächster Nähe der Südseite aufgehängt und wurden in den Morgen- und Abendstunden durch zwei seitlich angebrachte Matten gegen die Sonne geschützt.

Auf diese Weise wurden einige wichtige Thatsachen erreicht. Einmal war bei vollem Luftzutritt der Schutz gegen die Strahlen von oben und von der Seite vollständig; der Boden unter den Instrumenten lag auf 2 m hinaus selbst zur Zeit des niedrigsten Sonnen­standes im Schatten, und dem Luftwechsel zwischen den beiden Dächern war ein möglichst grofser Raum freigelassen.

In der That ergaben die in diesem Häuschen mit den Instrumenten der Seewarte angestellten Beobachtungen Werte, welche durch ihre Übereinstimmung mit den Angaben des im tiefen Baumschatten aufgehängten Aspirationsapparats das völlige Genügen einer solchen Schutzvorrichtung erkennen liefsen. Leider wurde das Haus infolge eines von den Hottentotten ausgeführten Überfalles von den in dasselbe eingedrungenen Mannschaften arg zugerichtet, und nachdem es mehrere Monate seiner eigentlichen Bestimmung gedient hatte, wurde es schliefslich als Wachtlokal der Truppe vermauert, ohne dafs der Offizier, von dem die Verfügung ausging, es für nötig gehalten hätte, mir, dem das alleinige Ver­fügungsrecht über das Bauwerk zustand, auch nur eine Anzeige dieser Veränderung zu­gehen zu lassen. In der That, ein vorzügliches Beispiel der Art, wie man bei uns koloni­siert. Aber man kann dem Einzelnen keinen Vorwurf machen, wenn seine hohe vorgesetzte Behörde in Berlin für die wissenschaftliche Erforschung Südwestafrikas bisher nur ein geringes Verständnis gezeigt hat.

I. Luftdruck und Winde.

Südwestafrika wurde nach der bisherigen Auffassung als ein Land dargestellt, welches im Jahresdurchschnitt auf der Ostseite eines über dem Meere lagernden Gebietes hohen Luftdrucks sich erstrecke Im Winter der südlichen Halbkugel liegt ein ebensolches Gebiet hohen Barometerstandes im Innern Südafrikas, während das ganze Süddreieck des Erdteiles in eine langgestreckte Maximalzone fällt. Im Sommer der südlichen Erdhälfte dagegen, am ausgesprochensten demnach im Januar, sehen wir ein ausgedehntes Feld niedrigen Luftdrucks das Innere von Südafrika erfüllen, während ein Gebiet hohen Drucks wieder im Westen über dem Ozean anzutreffen ist.

Bestätigen die Beobachtungen, die in Walfischbai angestellt worden sind, dies schema­tische Bild für das Küstengebiet, so trifft dies für das Innere nicht in jeder Hinsicht zu. An der Küste weht in der That anhaltender und namentlich in den ersten Nachmittags­stunden oft sehr starker Südwest 2 ). In den Sommermonaten ist derselbe stärker als im Winter, und ich habe namentlich um 4 h p. m. bisweilen einen geradezu stürmischen Cha­rakter dieses Windes während meines Aufenthaltes in Walfischbai feststellen können. Um diese Zeit pflegt daher das Löschen und Laden der etwa in der Bai ankernden Schiffe unterbrochen zu werden.

Die Stärke der Südwestwinde läfst indessen bereits in der Namib während der warmen Zeit bedeutend nach, und je weiter wir nach Osten kommen, um so mehr überwiegen in einem normalen Jahre Luftströmungen aus NWE, unter denen besonders die Winde aus

!) Vgl. hierzu und zum Folgenden J. Hann, Atlas der Meteorologie, Gotha 1887, Taf. VI, VII, VIII. 2 ) Vgl. Meteorol. Zeitschr., Bd. V, 1888, S. 311. Wenn hier auch andere Winde notiert werden, so können diese als schwache Luftströmungen mit dem kräftig wehenden Südwest kaum verglichen werden.

Dove, Deutsch-Südwest-Afrika.

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