Print 
Ostafrika, der Sudan und das Seeengebiet : Land und Leute ; Naturschilderungen, charakteristische Reisebilder und Scenen aus dem Volksleben, Aufgaben und Kulturerfolge der christlichen Mission, Sklavenhandel ; die Antisklavereibewegung, ihre Ziele und ihr Ausgang ; kolonialpolitische Fragen der Gegenwart ; nach den neuesten und besten Quellen / von Johannes Baumgarten
Place and Date of Creation
Page
524
Turn right 90°Turn left 90°
  
  
  
  
  
 
Download single image
 

524

ganzen Ausdehnung) mehr als 2000 Km lang ist. Hier würden, wenn nicht durch das Schwert und die Kugeln der fanatischen Mo­hammedaner, im mörderischen Klima und ungenügender Verbindung mit der Küste die Heere von ganz Europa zusammen ihren Unter­gang finden. Wozu sollen also Vereinbarungen der europäischen Mächte dienen? Für Ostafrika sind sie nicht nötig, und England wie Deutschland werden sich dieselben verbitten. Bleibt der unglück­liche Kongostaat als Anlisklaverei-Operationsfeld, wenn es der König der Belgier gestattet. Aber da kommen die jüngsten Ent­deckungsreisen auf den aus den Sudan kommenden Nebenflüssen des Kongo, da kommt der entsetzliche Ausgang von Stanleys Expedition, um selbst dem Verblendelsten recht handgreiflich die Thorheit eines kriegerischen Vorgehens vom Kongo aus gegen die sudanesischen Sklavenhändler vor die Augen zu führen. Hier haben dieMächte" also wieder nichts zu schaffen, wohl aber die Missionare, Koloni­satoren und Handelsleute.

Wir sprachen oben vom Sklavenhandel im Roten Meere. Da derselbe bei der Anlisklavereibewegung eine ebenso große Bedeutung hat wie der ostafrikanische, und, wie aus den bei den Antisklaverei- versammlungen gehaltenen Reden hervorgeht, durchaus nicht allge­mein bekannt ist, so glauben wir der Sache einen Dienst zu leisten, wenn wir darüber nach einer Mitteilung von Herrn I. Menges, der als Kaufmann lange Jahre am Roten Meere verweilte, zuver­lässige Auskunft geben.*)

Der Sklavenhandel im Roten Meere und im Golf von Ade». Gegenwärtig bildet der südlichste Teil des Roten Meeres und der angrenzende Teil des Golfes von Aden den Hauplschauplatz des Sklavenhandels, dessen Jagdgebiete fast ausschließlich die südlich von Abessinien gelegenen Gallaländer sind. Jedoch bilden hier die christ­lichen Abessinier die Jäger, während die Mohammedaner nur die Abnehmer der Menschenware und Händler sind. Das abessinische Reich Schoa, welches zu dem Negus Johannes in einem ziemlich losen Abhängigkeitsverhällnis steht, liefert hier die Sklaven, welche entweder von der Armee des Königs Menelik aus ihren Kriegszügen

*)Deutsche Kolonial-Zeitung". 1888, S. 335 ff.