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harren, in Deutsch-Ostasrika bisher niemals auch nur die geringsten Funde aus römisch-griechischer Zeit gemacht worden sind. Was immer die Geschichte des alten, in schöner Bucht aus einer kleinen Insel gelegenen Kilwa gewesen sein mag, jedenfalls ist es mit seinen zerfallenen Festungswerken und den Trümmern seiner gewaltigen Moscheeen heutigen Tages nichts weiter als ein nahezu menschenleerer, von ungeheuren Riesenbäumen überschatteter Ruinenhaufen. Denn die mit Sklaven handelnden Einwohner, die bei diesem vortrefflichen Hafen den Nachstellungen der englischen Kriegsschiffe allzu sehr ausgesetzt waren, haben in den beiden ersten Jahrzehnten dieses Jahrhunderts etwa zehn Seemeilen weiter nördlich an seichtem, bloß kleinen Fahrzeugen zugänglichem Strand eine neue Stadt, Kilwa Kiwindge, angelegt.
Lindi, das neben Mikindani der Küsten- und Verschiffungsplatz sür den Handel der obern und mittlern Ugassagegend ist, scheint nach einem verfallenen Portugiesenfort zu urteilen, ziemlich alt zu sein, ist aber erst Ende der fünfziger Jahre dieses Jahrhunderts von Amir bis Abdallah, wenn nicht neu gegründet, so doch wieder zum Aufblühen gebracht worden. Die Küste von Lindi, wo wohlbewaldete und stellenweise vortrefflich angebaute Hügelzüge bis zu 1000 Fuß ansteigen, ist die höchste in der ganzen deutschen Interessensphäre Ostasrikas.
2.
Die Bevölkerung: Neger, Araber, Inder. — Die Kllstensahrt mit Dhaus*).
Die Neger auf dem Festlande sehen eigentlich nicht viel anders aus als unsere Bauern. Häufig sieht man ihnen an, daß arabisches Blut in ihnen fließt. Athletische Gestalten steht man nicht selten. Die Weiber sind meist bis auf einzelne in Sansibar und die Mädchen bis zu 14 Jahren, unter denen manche recht hübsch aussehen, abschreckend häßlich. Sie sollen aber, wenn sie unter anderen Verhältnissen leben
*) Aus einem in der „Kolonialpolit. Korrespondenz" 3. September 1887 mitgeteilten Privatbriese von Frieda Freiin v. BAow,
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