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ihren Sohn. Sonst sind sie, wie die kleinen Kinder, ohne Sinn für etwas Schönes und Großes, schwatzhaft und gänzlich ins Irdische versunken; eine Herde Kühe und Palmwein, das ist ihr Evangelium! Und dennoch dürfte es allein durch dieses Volk, das den Verkehr zwischen der Küste und dem Innern vermittelt, möglich sein, in das Herz von Afrika zu dringen, weshalb sie sehr wichtig sind als Leute, die, wie die Galla, wenn sie einmal vom Evangelium beherrscht werden, den guten Samen weithin tragen können.
3. Die Galla, Dahalo und Pokomo.
Die in eine Menge von Stämmen geteilten, auf 8—10 Millionen geschätzten Galla oder, wie sie sich selbst nennen, Orma, deren Ursprung und älteste Geschichte noch in Dunkel gehüllt ist, bewohnen den ganzen Strich zwischen dem Dschubfluß im Norden und dem Sabaki im Süden (unfern Melinda) landeinwärts bis nach Schoa, Caffa (Kafa) und Enarea und vielleicht noch weiter. Sie lassen sich auf der genannten Küstenstrecke häufig selbst am Strande sehen, ihre Dörfer liegen ein bis zwei Tagereisen im Binnenlande gegen die Berge zu, die sich hier zu keiner beträchtlichen Höhe erheben. Dort sind sie sicher gegen die plötzlichen Überfälle der Suaheli, die, vor Zeiten auf jenem Küstenstriche ansässig, von den Gallas vertrieben wurden. Die Sprache der Galla ist weich, klangreich und singbar, wie folgende Probe, der Anfang eines Gebetes, beweist: Waeg^o 1attg.ua, Avtt-cko! s-ti ns xuba ts?g,, -mi Ä äMs,n taa.. Ho nams-n ns,t>i änts, mukni säu narrs, osbu, M oams, ns,t>i eabi, gotticko, Aa,äi?g, na, tai d. i. Gott dieser Erde, mein Herr! Du bist über mir, ich bin unter dir. Wenn Unglück zu mir kommt, wie Bäume die Sonne von mir abhalten, halt du das Unglück von mir; mein Herr, sei du mein Schatten! — Die Galla bilden einen der schönsten und stärksten Volksstämme Afrikas, mit starkem Haupt und breiten Schultern, glattem und dichtem Haarwuchs, gerader oder etwas adlerhafter Nase auf einem etwas abgeplatteten Gesichte; ihre Hautfarbe ist oft sehr hell, wie denn
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