343
5. Das Kiln. Ndscharogebiet. Land und Volk (1888)«).
Herr Braun, der im Jahre 1888 das Kilima Ndscharogebiet durchforschte, hatte seinen ständigen Aufenthalt zu Moschi, beim Sultan Mandara im Dschaggaland. Dieses liegt, wie alles dortige Kulturland, in 3000—3500 Fuß Höhe, da tiefer gelegene Strecken von den Massais bedroht werden. Die Sprache der Dschaggas ist die der Bantus, etwas ähnlich den Kisuahili. Das Volk ist hübsch gebaut, ähnlich den Massais, die Leute treten fest auf, doch sind sie im Grunde feig, faul, lügnerisch und diebisch, wenn sie anfangs auch liebenswürdig erscheinen. Die ganze Arbeit lastet auf der Frau; nur das Stehlen besorgt der Mann selber. Arbeiter sind für keine Summe zu haben, auch nicht unter den Weibern. Die Dschaggas sind ohne Religion, doch abergläubisch, glauben an böse Vorzeichen, Regenmacherei u. f. w. Die Bekleidung ist mangelhast. Die Stämme liegen miteinander in fortwährender Fehde. Der eine überfällt den andern, um Vieh und Weiber wegzuschleppen. Mit dem Morgengrauen stürzen sie sich unter Geheul auf ihre ahnungslosen Gegner, diese fliehen gewöhnlich, und es beginnt die Plünderung. Sind die Feinde aber vorbereitet, und es fällt ein Schuß, so laufen die Angreifer eilig davon. Herr Braun ist Zeuge von zwanzig solchen Raubzügen gewesen und hat dabei nur einmal die Gelegenheit gehabt, einen Mann zu verbinden.
Ein großer Teil des Landes ist völlig unbewohnt und frei, in günstigem Klima gelegen und für deutsche Kolonisten geeignet, und zwar ist dies: das stark entvölkerte Ugonogebiet, ferner Kahe, welches von fünf bis sechs kleinen Flüssen durchströmt wird, Bauholz und gutes Ackerland liefert und, wie alle die Gebiete, völlig fieberfrei ist.
Im Süden des Kilima Ndscharo ist ein großer Urwald, ungefähr sieben Quadratmeilen groß, völlig unbewohnt und mit prachtvollstem jungfräulichen Boden. Klein-Aruscha hat besonders gute Wiesen und Viehzucht. Noch reicher ist Groß-Aruscha, woselbst die
*) Nach den interessanten Mitteilungen des Herrn Braun in der Sitzung des Berliner Kolonialvereins am 11. Februar 1889. („Deutsche Kolonial- Zeitung", 1839, Nr. 8,)