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Ostafrika, der Sudan und das Seeengebiet : Land und Leute ; Naturschilderungen, charakteristische Reisebilder und Scenen aus dem Volksleben, Aufgaben und Kulturerfolge der christlichen Mission, Sklavenhandel ; die Antisklavereibewegung, ihre Ziele und ihr Ausgang ; kolonialpolitische Fragen der Gegenwart ; nach den neuesten und besten Quellen / von Johannes Baumgarten
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wie anderseits Johnston angiebt). Graf Teleki, Herr v. Höhnel, Dr. Meyer und ich sind der festen Überzeugung, daß Mr. Johnston sein Buch über den Kilima Ndscharo, soweit er über Sachen schreibt, welche über 4500 m liegen, erfunden hat oder nur nach Beobach­tungen aus der Ferne berichtet.

Wir hofften noch immer auf Besserwerden des Wetters, um dann noch einmal weitergehen zu können, als bei 4° der Schnee so dicht wurde, daß wir uns, um unsere Fußspuren wieder­zufinden, zu einem fluchtähnlichen Rückzüge wandten. Nur mit äußerster Anstrengung fanden wir den Weg zurück und langten ziemlich tot an unserem Lagerplatze an."

4. Eine Kaiser-Geburtstagsfeier am Kilima Ndscharo^).

Der Geburtstag des deutschen Kaisers ist hier in einer Weise gefeiert worden, die jedenfalls als echt afrikanisch bezeichnet werden darf. Mandara, der Fürst des Staates Moschi am Kilima Ndscharo, hat die Gelegenheit benutzt, mir an genanntem Tage einen neuen Beweis seines königlichen Auslandes und seiner freundschaftlichen Gesinnungen zu geben. Dieser Negerfürst, der nie sich mehr als wenige Meilen von seinem Lande enlfernt hat, den 14 Tagemärsche von der Küste trennen und der im ganzen mit einem Dutzend Euro­päern nur vorübergehend in Berührung gekommen ist, muß als eine der eigenartigsten Erscheinungen unter den ostafrikanischen Herrschern gelten. Mit Recht ist er durchdrungen von seiner königlichen Würde, denn er übt in seinem Lande eine unumschränkte Macht aus, seine Unterthanen erfüllen blindlings seine Befehle, und sein Name wird überall in den Nachbarstaaten als der des mächtigsten Herrschers am Kilima Ndscharo genannt. Während unseres nunmehr viermonatlichen Verkehrs hat mir Mandara vielfache Beweise seiner Macht über sein Volk, seiner Klugheit und seines Taktgefühls geliefert, mir Aufmerk-

*) Aus einem Schreiben des Asrikareisenden Ehlers aus Moschi vom 29. Januar 1889 (Köln. Ztg.").