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Ostafrika, der Sudan und das Seeengebiet : Land und Leute ; Naturschilderungen, charakteristische Reisebilder und Scenen aus dem Volksleben, Aufgaben und Kulturerfolge der christlichen Mission, Sklavenhandel ; die Antisklavereibewegung, ihre Ziele und ihr Ausgang ; kolonialpolitische Fragen der Gegenwart ; nach den neuesten und besten Quellen / von Johannes Baumgarten
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Weiber mit Eiern und Geflügel. Ihre häßlichen Züge werden nicht verschönert durch das Ausrupfen der Augenbrauen, noch durch den kahlgeschorenen, von ranziger Butter triefenden Scheitel oder die große, biencnkorbförmige Haarhaube, und ihre schmutzigen Gestalten sind durchgängig in noch schmutzigere Hüllen gewickelt. Gleich schmierig, aber hellfarbiger und weniger häßlich als die plumpen Damen Schoas, sind die Mohammedanerinnen Argobbas und Jfats. Man erkennt sie sogleich an ihren langen, über die Schulter wallenden Haarflechten und an ihren vielen Rosenkranzkügelchen und Amuletten. Christen und Mohammedaner unterscheiden sich wenig in der Tracht; erst wenn das vermummende Umhängetnch abgenommen ist, zeigt sich der Rosenkranz der Mohammedaner von hellgefleckten Kugeln und die blaue Schnur um den Hals des Christen.

5. Der Aufstieg vom Noten Meere aus. Das Tarauta-

Gebirge.

Es ist keine leichte Arbeit, nach Abessinien einzudringen; wer es aber erreicht, der findet in der Natur auch Belohnung für seine Mühe, wenn auch die Menschen, welche jenes Paradies bewohnen, ihm desselben nicht wert scheinen. Steigen wir nun vom Roten Meere aus hinauf in die Hochlande.

Hinter uns liegt der ungesunde Küstcnsaum und die Samhara, die wir in wenigen Tagen durchschritten, vor uns aber, am westlichen Rande derselben, steigt jäh in einer Höhe von durchschnittlich 8000 Fuß das Taranta-Gebirge, der natürliche östliche Grenz­wall Abessiniens an, über dem zackige Gipsel in die Höhe starren. Im Lichte der südlichen Sonne spielt es in den prächtigsten Farben, die uns in Entzücken versetzen; ein ewiger Wechsel von Licht und Schatten, Helle und Dunkel ist bemerkbar. Es wird einem wohler in der Seele, wenn man dem Gebirge näher und näher kommt; man treibt das Maultier zu schnellerem Laufe an, um bald die Luft der Gebirgsthäler genießen zu können. Die Pässe und Saumwege sind häufig so eng, daß nur ein Lasttier hinter dem andern zu gehen