Aöessinien.
i.
Charakteristik des Hochlandes. — Die drei Terrassen. — Munzingers Schilderung der Pflanzen- und Tierwelt.
Das Hochland Abessinien (Abessinien, das Äthiopia der alten Welt, wie es noch heute im offiziellen Stil des Negus heißt, von den Eingeborenen Jtiopya, nur selten Habesch „Land der Abai" genannt), ist ein gewaltiges, in mehrere Stufen gegliedertes Plateau, ein unregelmäßiges Dreieck, welches ca. 1100 Icm von Süden nach Norden und etwa 1000 Km von Osten nach Westen mißt. Folgt man von Chartum aus dem gewöhnlichen Karawanenweg nach Wold Medineh und Sennaar, so schneidet man den Blauen Strom, den Dinder und Rahat und erreicht endlich im Angesicht der ersten Terrasse des abessinischen Hochlandes den oberen Atbara bei Matama in der Landschaft Kalabat, dem langjährigen Zankapfel zwischen den Ägyptern und Abessiniern. Das an Durrah und Baumwolle reiche Land wird von mohammedanischen Negern bewohnt.
Steigt man von Kalabat nach Abessinien hinauf, so durchschreitet man zuerst drei Tage lang einen Wald, in dem Abessinier, Sen- naariten und Ägypter so oft miteinander gekämpst haben, und erreicht dann nach Überschreitung des Gandowa den untersten Absatz jener Terrassen Ambas, aus denen das abessinische Hochland sich, nach Hartmann, in folgender dreifachen Gliederung zusammensetzt:
1) Die Kolla oder Kulla (Quala), die unterste Terrasse, durchschnittlich 3000—4800 Fuß über dem Roten Meere, mit einer Temperatur von 20 — 28° R.