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und daher für die Häuptlinge die Versuchung, ihr eigenes Volk zu verkaufen, unwiderstehlich.
2. Ergebnis der Untersuchungen Seidels.
„Es ist keine Frage, daß die Sklaverei als eine dem Gebote des Christentums und der Humanität widersprechende Institution ausgerottet werden muß, wo immer sie sich findet; aber zweifelhaft ist es, ob heute durch äußere, gewaltsame Mittel eine solche mit den Sitten und Anschauungen, dem wirtschaftlichen und politischen Leben so vieler Völker organisch verbundene Institution unvermittelt aus der Welt zu schaffen sei." Von dieser Auffassung geht ein sehr bemerkenswerter Aufsatz: „Über afrikanische Sklaverei" von A. Seidel („Deutsche Kolonial-Zeitung" 1889, Nr. 29) aus, dessen Schlußergebnis wir hier mitteilen:
Man vergegenwärtige sich, daß die Entstehung der Sklaverei im wesentlichen von zwei Momenten begünstigt wird, deren eines, die Geringschätzung der Arbeit, mehr subjektiv-ethischer, das andere, die Meinung von der Jnferiorität der oben erwähnten Klassen, mehr objektiv-rechtlicher Natur ist. Beide müssen beseitigt werden, wenn man der Sklaverei den Boden entziehen will; aber beide sind zugleich mit der Kulturstufe des Durchschnittsnegers eng und organisch verbunden. Man wird den Neger also auf eine höhere Stufe der Gesittung und Bildung zu erheben haben, wenn man diese Übel ohne Schaden beseitigen will. Denn was man sonst aus allen Gebieten praktischen Thuns als zweckwidrig und schädlich erkannt hat, einem Folgeübel mit Gewalt zu Leibe gehen zu wollen, dessen Ursachen man nicht die Möglichkeit hat aus dem Wege zu räumen, das wird man doch auf diesem Gebiete nicht wieder praktizieren wollen, etwa weil das ungeduldige Verlangen die Verwirklichung unserer kolonialpolitischen Pläne über Gebühr zu beschleunigen strebt. Nichts ist wahrer und berechtigter als die eindringliche Mahnung von Lanessau in seinem kürzlich erschienenen Werke „ l/IuÄo - Linus tr-me-uso": „Achtet den Gottesdienst und die gesellschaftlichen Einrichtungen des