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Der koloniale Verkehr Deutsch-Ostafrikas : ein wirtschaftsgeographischer Versuch / von Johann Gottfried Benndorf
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nach Muansci, und mit dem Vordringen der Eisenbahn von Daressalcim aus strebte er auch vom Njassagebiet mehr und mehr diesem Ausweg zum Meere entgegen, besonders als die Bahn 1907 Kilossa erreicht hatte In den letzten Jahren kamen daher über die Sambesi-Schire-Njassaroute, die für uns ohnehin zu umständlich und zu teuer war, nur noch wenig Waren in unser Schutzgebiet.

Die Ursachen hierfür lagen aber auch in den geographischen Verhält­nissen dieser Verkehrsstraße selbst, deren Brauchbarkeit in der letzten Zeit immer geringer wurde. Wie jeder Fluß des tropischen Afrika, ist auch dieser Wasserweg stark von den klimatischen Gegensätzen und den orographischen Widerständen abhängig, jenes um so mehr, als eine Barre vor dem Ausfluß des Schire aus dem Njassasee, die schon immer der Schiffahrt Schwierig­keiten bereitete, seit einigen Jahren infolge des Sinkens des Njassa-Niveaus trocken bleibt und zuweilen den Ausfluß des Schire verhindert (9, s?).

2. Die Flüsse.

Das hydrographische Netz Äquatorialafrikas bietet, von den großen Seen abgesehen, keine guten Verkehrswege für die koloniale Erschließung. Der Wasserverkehr findet eigentlich nur als Litoralverkehr seine Vor­bedingungen auch den Verkehr auf den Binnenseen kann man ja einen litoralen nennen (vgl. S. 30). Die Häfen an der Ostküste Mittelafrikas find zwar zumeist Flußmündungshäfen, diese Flüsse können wir aber nicht alsVerlängerungen des Meeres ins Land hinein" ansehen (76,726). Das verbietet zunächst der Aufbau des afrikanischen Kontinents. Afrika als Tafel­land zwingt seine Flüsse, über eine Reihe von Geländestufen in Schnellen und Fällen zum äußeren Tiefland und Küstengebiet herabzustürzen, weshalb eine durchgehende Schiffahrt unmöglich wird. Andrerseits bedingt der Wechsel von Regen- und Trockenzeit große Schwankungen in der Wasserzuführung, die wiederum einen regelmäßigen Schiffsverkehr hemmen. Im allgemeinen haben die Flüsse nur in dem Teile Äquatorialostafrikas Wert, in dem sich das Tiefland weiter als sonst in Afrika in das Innere hineinzieht (46), also im Süden. Nur hier, wo das Küstenhinterland infolge des Zurück- tretens des östlichen Randabfalles des Zentralplateaus sich bis 400 Km ins Innere hinein ausdehnt, können sich größere Ströme entwickeln, während das nördliche Küstenhinterland wegen seiner geringeren Breite nur kürzere Wasserläufe aufweist. Diese Mängel der natürlichen Wasserstraßen sind um so bedauerlicher, als die Verkehrsmittel des tropischen Afrika überhaupt wenig brauchbar sind, besonders nicht sür Massengüter, deren Fracht nicht viel kosten darf und die doch für die Erschließung einer Kolonie von allergrößter Wichtigkeit sind (vgl. S. 68).

Größere Wasserstraßen sind in Deutsch-Ostafrika gar nicht vorhanden, und so ist es nicht verwunderlich, daß die außerhalb der deutschen Kolonie gelegene Sambesi-Schire-Njassaroute auf die bisherige Entwicklung Einfluß gehabt hat. In der letzten Zeit kam sie allerdings nur noch für