— 30 —
Ihre Verwendung blieb übrigens nicht auf die Meeresküste beschränkt. Als die Araber bei ihrem Vordringen ins Innere die großen Seen erreichten, führten sie auch dort den Dhauverkehr ein (29,733; 26,396; 9,5?), indem sie die Schiffe zerlegt dorthin transportieren ließen, oder, wenn brauchbares Holz vorhanden war, sie an den Seen selbst bauten. Auf Ukerewe im Victoria-Nyansa z. B. bestand eine Art Werft für Dhaus. An Umfang ist dieser innerafrikanische Dhauverkehr mit dem an der Ostküste des Kontinents freilich nicht im entferntesten vergleichbar, und noch zur Jahrhundertwende gab es auf dem Njasfa nur vier oder fünf Dhaus, auf dem Tanganjika nur zwei, auf dem Kiwu gar keine.
II. Binnenschiffahrt.
1. Die grofzen Seen.
Seitdem die Araber die innerafrikanische Seenregion aufsuchten und beständig mit ihr in Verbindung blieben, haben die riesigen Wasserbecken Zentralafrikas — die gesamte Seenkette von Nord nach Süd ist ungefähr 1800 Km ausgedehnt (41, 15) — auf unser Gebiet in vieler Beziehung ähnlich gewirkt wie die Meeresküste im Osten: In den Küstenländern des Indischen Ozeans wie in den Randlandschaften der großen Seen entwickelten sich zwei für sich bestehende Wirtschaftsgebiete (94, 1906/07, 45), in denen das wirtschaftliche Leben in erster Linie vom Wasserverkehr Nutzen zog. Man hat daher mit Recht von einer zweiten Küstenfront Ostafrikas im Westen gesprochen und auf die „doppelte Randlage" des Gebietes hingewiesen, die dadurch gegeben ist (55, ggs). Diese Tatsache wurde schon für den ersten Verkehr der Europäer in Ostafrika, den der Erforschung des Kontinents, von nicht geringer Bedeutung: es waren die Hauptkarawanenlinien von der Meeresküste zu jedein der drei großen Seen, die zuerst von den Entdeckern verfolgt wurden. Man vermutete damals noch, gestützt auf die Vorstellung des Missionars Erhardt, einen einzigen langausgedehnten Binnensee, über dessen Gestaltung man sich Klarheit verschaffen wollte (P.M. 1856, Taf. 1). Burton und Speke brachen 1857 von Bagamoio als erste auf, um das Problem zu lösen, wobei ihnen 1858 die Entdeckung des Tanganjikasees gelang, und Speke im selben Jahre den Victoriasee entdeckte. — Der Anteil des Schutzgebiets an dieser zweiten Küste beträgt: am Victoriasee, wenn man bei der Berechnung die Buchten und Krümmungen außer Acht IM, 650 Km (46), ungefähr ebensoviel am Tanganjika- see, der damit, in Luftlinie gemessen, nahezu die gleiche Ausdehnung wie die ganze Meeresküste Deutsch-Ostafrikas hat (19, 326), und am Njassasee 250 Km. Die deutsche Küste am Kiwusee, der, wenn er auch noch keine wirtschaftliche Wirkung ausgeübt hat, doch bei einer Betrachtung der großen Seen Afrikas nicht fehlen darf, wird, ohne Rücksicht auf seine außerordentlich starke Gliederung, mit etwa 160 Km anzunehmen sein (vgl. Großen Deutschen Kolonial-Ätlas, Blatt 16).