3. Wiederausbruch des Krieges — Napper Tandy — Friede von Luneville
Kurz zuvor war die Flamme des Krieges von neuem ausgebrochen 1 . Jourdans Übergang über den Rhein bei Basel und Kehl, Massenas 2 Vordringen gegen den Bodensee und Graubünden, Erzherzog Karls 3 Übergang über den Lech, dessen Treffen mit Jourdan bei Stockach am 22. März und seine verunglückten Angriffe bei Engen und Liptingen am 25. und 26. März 1799 bezeichneten den Anfang der wieder begonnenen Feindseligkeiten zwischen Österreich und Frankreich. Eine abermalige Bewilligung von 100 Römermonaten erfolgte auf dem Reichstag, und der kaiserliche Hof erneuerte sein Andringen zu Kontingentsreluitionen. Doch aus mehreren Rücksichten übereilte sich Bremen mit keinem von beiden. Der kaiserliche Gesandte Buol-Schauenstein kam im Juni selbst nach Bremen, diese Angelegenheit dringend zu empfehlen, ohne schon damals seinen Zweck zu erreichen. Erst im September traf man über eine terminliche Bezahlung dieser Reluitionsgelder, welche in Wien in aller Stille geschehen sollte, mit ihm eine Ubereinkunft.
Dagegen richtete der Senat schon zeitig durch eine Verordnung vom 15. April sein Augenmerk von neuem auf die Fremden, die in der Stadt und deren Gebiete sich aufhielten. Eine Aufmerksamkeit, die einige Monate später noch desto notwendiger wurde, da im August die Landung der Engländer in Nordholland, auf dem Helder, den Schauplatz des Krieges der Weser näher zu bringen drohte, wäre nicht die baldige Wiedereinschiffung des Herzogs von York mit seiner Armee wider alles Erwarten erfolgt 4 .
Wie gefährlich der Aufenthalt mancher Fremden in mehreren Rücksichten werden könne, davon zeigte sich damals ein belehrendes Beispiel. Während der kurzen Unruhen in Irland, welche die dortige Landung eines kleinen französischen Korps in der Killala Bay 5 veranlaßte, hatte sich ein dadurch bekannt gewordener Irländer, Napper Tandy 6 , gegen die Regierung ausgezeichnet, entfloh nachher und ging nach Hamburg, wo der Senat im Oktober nicht ausweichen konnte, ihn auf Verlangen des englischen Gesandten als Rebellen zu verhaften und auszu-
1 Am Zweiten Koalitionskrieg gegen Frankreich (1799—1802), dessen Ursache die Expansionspolitik der Republik war, beteiligten sich Rußland, Österreich, das Deutsche Reich, England, die Türkei, Portugal, Neapel und der Kirchenstaat.
2 Andre Massena (seit 1808:) Herzog von Rivoli, (seit 1810:) Fürst von Eßling (1758—1817), französischer Marschall.
3 Erzherzog Karl von Österreich (1771—1847), österreichischer Feldmarschall.
4 Bei Den Helder gegenüber der Insel Texel landeten 10 000 Engländer und 13 000 Russen unter dem Befehl des Herzogs von York, der letztere in den Rücken der Franzosen schickte; sie verirrten sich jedoch in den Dünen und wurden in der Schlacht von Bergen großenteils gefangen. Die Engländer mußten darauf nach einem unglücklichen Gefecht zurückweichen und sich wieder einschiffen.
5 Killala Bay: Cuan Chili Alaidh in Nordwestirland.
6 Napper Tandy (gest. 1803) aus Dublin, der als Emigrant in Frankreich lebte, hatte zur Unterstützung der französischen Expedition eine Fregatte von Dünkirchen nach Irland geführt und dort versucht, seine Landsleute zur Erhebung zu bewegen. Nach dem Scheitern der Landung floh er über Norwegen nach Hamburg.
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