Druckschrift 
Geschichte der Freien Hansestadt Bremen von der Mitte des 18. Jahrhunderts bis zur Franzosenzeit / Christian Abraham Heineken. Bearb. von Wilhelm Lührs
Entstehung
Seite
192
Einzelbild herunterladen
 

Vorstraße aber ging als bloßer Feldweg nur die Mitglieder des Dorfes an, die aus Gewohnheit dessen schlechten Zustand nicht achteten. Da versuchten es auch hier einige Beförderer des Guten im Jahre 1791, die erforderlichen Kosten durch eine willkürliche Subskription zusammenzubringen, und ihre Absicht gelang so gut, daß sie noch in dem nämlichen Jahre den übelsten Teil der Achterstraße auf einer Strecke von mehr als 3500 Fuß [über 1000 m] in einen sehr bequemen Steinweg verwandelten, dessen Unterhaltung dann die Dorfbewohner übernahmen.

7. Armeninstitut

Das schönste Monument bremischer Mildtätigkeit war aber die Errichtung des sogenannten neuen Armeninstituts zu einer besseren Versorgung der hilfsbedürf­tigen Einwohner aller Konfessionen. Schon seit einigen Jahren (seit dem 25. April 1775) beschäftigte sich eine Deputation aus Rat und Bürgerschaft mit der Bearbei­tung dieses Entwurfes, der erst jetzt zur Ausführung kam, und den teils die Ver­waltung, teils eine Deputation fast während dieser ganzen Periode immer noch besser auszubilden suchten.

Schon seit dem Anfang des Jahrhunderts teilte sich die Verwaltung des General­armenwesens 1 , das den ältesten Armenpflegern oder Diakonen der vier Pfarr­kirchen der Altstadt anvertraut ist, in zwei Teile, in denjenigen des Armenhauses selbst oder die Versorgung der in diesem Hause aufgenommenen Bürger und Bürgerinnen und in die Aufsicht und Versorgung der übrigen Hilfsbedürftigen, die außer dem Armenhause in der Stadt zerstreut waren und die man unter dem Namen der Hausarmen begriff. Diese letzten erhielten zu ihrer Unterstützung eine monatliche Gabe an Geld, zu gewissen Zeiten etwas Brot, im Winter etwas Feuerung, Arzneien in ihren Krankentagen und bei ihrem Tode eine freie Beerdi­gung. Eine öffentliche vierteljährliche Sammlung der Diakone durch die ganze Stadt war zu diesen Ausgaben bestimmt, und wo diese nicht ausreichte, mußten die Einkünfte des Armenhauses zu Hilfe kommen. Weil jedoch bloß die Almosen, die man in den reformierten Stadtkirchen sammelte, in die Einnahmen des Armen­hauses einflössen, so trug der Armensäckel der Petrikirche für die lutherischen Armen ein Gewisses bei. Auch erhielten die Armen, die in der Remberti- und Michaelisvorstadt wohnten, von den Diakonen dieser beiden Kirchen eine Geld­spende.

Leider fand man jene Quartalsammlungen, eben weil sie zu häufig kamen und dadurch zu alltäglich wurden, je länger, je unzureichender gegen die Ausgaben, und das Armenhaus hatte daher einen jährlichen Verlust. Außerdem entsprach diese Versorgung der Hausarmen nicht dem beäugten Zweck. Mancherlei Miß­bräuche hatten sich dabei eingeschlichen, die ohne eine gänzliche Reform sich nicht

1 Die Armenpflege war als ein Teil der christlichen Liebestätigkeit seit dem Mittelalter Aufgabe der Kirche und oblag den Diakonen der einzelnen Kirchengemeinden, deren Arbeit die erste bremische Kirchenordnung von 1534 und spätere obrigkeitliche Armenordnungen regelten.

192