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Bremische Biographie des neunzehnten Jahrhunderts / hrsg. von der Historischen Gesellschaft des Künstlervereins
Entstehung
Seite
176
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Gildemeister.

Th. Arens, mit dem literarischen Sonntagsverein bekannt, der sich der Tunnel über der Spree" nannte. Nach abgelegten Proben seiner dichterischen Formgewandtheit wurde G. am 9. Juli unter dem Namen Tamoens in den Rlub aufgenommen, dem er bis in den März l.3^ angehört hat.

Dort traf er die späteren Minister Heinr. v. Mühler und Heinrich Friedberg, ferner Louis Schneider, Thr. Fr. Scherenberg, Theodor Fontane, den feinsinnigen und scharfen Antiker N?oldemar v. Loos, den Grafen Moritz von Strachwitz und andere. G. hat der Ge­sellschaft eine Reihe eigener Dichtungen vorgetragen, Romanzen und Balladen und Dichterbilder (z. T. veröffentlicht von Tielo imLu- phorion", Bd. ^3 11.906), S. I05ff., nach den jetzt von der Aönigl. Universitätsbibliothek in Berlin verwahrten Akten des Tunnels); aber von N). von Loos angefeuert, fein wunderbares Talent für die Nachbildung fremder Dichterwerke zu pflegen, legte er die eigenen Schöpfungen ruhig beiseite, um fortan sein großartiges Nach- cmpfindungsvermögen ganz in den Dienst der Übersetzungskunst zu stellen. Da hat er sich dann, dem Rate seines kritischen Freundes folgend, vor allem Byrons Don Juan zugewandt, dessen Übertragung ihn ebenfalls schon als Primaner gereizt hatte. Loos hatte gesagt, er halte G. für fähig, das von Goethe für unmöglich Erklärte mög­lich zu machen, G. werde sich durch eine Übersetzung des Don Juan ein Verdienst um die vaterländische Literatur erwerben. Mehrere Gesänge des Gedichts hat er in Berlin ganz oder teilweise fertig­gestellt und den Freunden vorgelesen und noch am letzten Abend, den er in ihrem Areise zubrachte, durch den Vortrag des ganzen siebenten Gesanges lebhaften Beifall geerntet.

Um Gstern ging G. zur Fortsetzung seiner Studien nach Bonn. Dort hat er, wie ein jetzt im Besitze unseres Historischen Museums befindliches Bild zeigt, im Areise zahlreicher Aommilitonen auch die Reize des rheinischen Studentenlebens gekostet.Das heitere, bewegliche, offene Leben an dem herrlichen Rheinstrom äußert einen ungemein wohltuenden Einfluß auf Leib und Seele", schrieb er schon im Mai an den Vater. An heiterer Geselligkeit hat er, wie sich aus anderen Briefen ergibt, auch später gerne teilgenommen. Und vielleicht gewann er eben dadurch die rechte Stimmung, uni seine Don Juan-Übersetzung in wenigen Monaten zu Ende zu führen. Schon zu Anfang Oktober war sie fertig, ja die erste Hälfte