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Die Pest in Bremen : Epidemien und freier Handel in einer deutschen Hafenstadt 1350 - 1713 / Klaus Schwarz
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nicht. Jedenfalls dürfte es sich um die schlimmste Epidemie gehandelt haben, die Bremen in der Neuzeit heimsuchte. Dafür spricht allein schon die beispiel­lose Vermehrung der Bestattungsplätze. Die Anlegung der Friedhöfe in der westlichen und der östlichen Vorstadt und vor dem Brückentor, also rund um die Altstadt herum, weist darauf hin, daß es in allen Vierteln zahlreiche To­desfälle gab. Am frühesten und stärksten betroffen war wieder St. Stephani, aber auch in der Katharinenstraße in der Nähe von Unser Lieben Frauen zähl­te man viele Opfer. Einem Testament ist zu entnehmen, daß Todesfälle auch in der Pieperstraße bei St. Ansgarii eintraten 151 . Von der "Weidekant", womit er doch wohl die Vorstadt am Rand der Bürgerweide meint, sagt Herlin gar, daß hier immer die Pest drohe 152 . Der Gedanke an die ständige Gefährdung wurde auch dadurch wachgehalten, daß die Bezeichnung Pesthaus an dem dazu ein­gerichteten Gebäude auch dann noch haften blieb, als es keine Infektionen mehr gab 153 . Das Haus wurde als eine Art Siechenheim weiterbenutzt.

5. Zwischenergebnisse

Es ist vermutlich für kaum eine deutsche Stadt möglich, vollkommen zuverläs­sige Angaben über sämtliche Ausbrüche der Pest zu machen, bestimmt jeden­falls nicht für Bremen. Mitunter trat sie nur endemisch auf, wurde dann aber mit voller Wucht epidemisch, führte zum Tod von Tausenden von Menschen in kurzer Zeit und verschwand gleich darauf anscheinend wieder vollständig.

Vor 1600 sind durch in Bremen selbst oder im benachbarten Oldenburg in zeitlicher Nähe zum Vorkommen der Pest enstandene Quellen die Jahre 1350, 1375-1377, 1430, 1450, 1464, 1494, um 1504, 1511-1512, 1521-1522, 1565 oder 1566-1569, 1577-1585, vielleicht mit Vorläufern schon 1575 und kurzen Unter­brechungen, und 1597-1598 gesichert. Nicht so zuverlässige Nachrichten lie­gen für die Jahre 1397-1398, 1421-1422, 1484 und 1539 vor, weil die Chroni­sten das Geschehen gar nicht aus der Nähe verfolgen konnten oder der zeitli­che Abstand zwischen dem gemeldeten Ereignis und seiner Aufzeichnung groß ist. Ungewiß bleiben die Jahre 1359 und 1387-1388, weil Bremen nicht namentlich unter den Seestädten genannt wird. Sehr zu bezweifeln sind die Jahre 1532 und 1550, weil es sich um ganz isolierte Nachrichten über einzelne Personen handelt oder auch die Möglichkeit von Erinnerungsfehlern besteht. Ähnliche Furcht wie die Pest erregten vor 1600 in Bremen zwei andere Plagen, der Scharbink 1491 und der Englische Schweiß 1529.

Die Angaben über die Menschenverluste sind oft von schwindelerregender Höhe. Das beginnt mit den angeblich weit über 7000 Toten 1350 und setzt sich fort mit etwa 2000 bis über 8000 1397-1398, 1421-1422 drei Vierteln der Be­wohner, 1522 vielen Tausend, 1566 auf einem Kirchhof allein 2323, 1577 etwa 1500, 1584 auf einem Kirchhof allein 975 oder 2975 und endet 1598 bei etwa

151 2-Qq.4.c.3.b.2.c S. 81.

152 Roosbroeck, Glaubensflüchtlinge, S. 106.

153 2-T.4.s.l.l.6.d S. 17 f 21, 24, 26.

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