gensatz zur Lungenpest), für die ja Geschwüre in der Leistengegend kennzeichnend waren. Dazu paßt freilich nicht recht, daß Bremen im Winter besonders heimgesucht worden sein soll, denn in der kalten Jahreszeit machte sich im allgemeinen die Seuche nicht bemerkbar. Ausgesprochen zurückhaltend ist Wolters bei seiner Zahlenangabe. Eine chronistische Nachricht für Lübeck zu 1451 spricht z. B. von 25 000 Toten in der Stadt an der Trave 61 .
"Anno 1464 was eine grote pestilentie. Do storven tho Hamborch in dem jare woll 20 000 minschen", berichtet Renner über die nächste Pestwelle 62 . Er nennt Bremen nicht beim Namen, jedoch bezeugen Eintragungen bei einem seiner Fortsetzer und in Wappenbüchern, daß auch hier in diesem Jahr das Große Sterben gewesen ist, bei dem u. a. die Ratsherren Meimern von Borken, Johann von der Trupe und Henrich Hoyer umkamen, wobei erwähnt wird, daß die Stadt zur gleichen Zeit "große Zweitrachten mit Graff Gerhard zu Oldenburg hatte, daß bei 300 bremische Bürger und Bauern von ihme gefangen genommen" 63 .
Zu 1484, also genau zwei Jahrzehnte später, findet sich ein Hinweis auf einen erneuten Ausbruch bei dem Danziger Chronisten Kaspar Weinrich: "Item den somer über war eine grosse schwäre pestilentie in manchen stedten in Preussen, in Pommern, Frankreich, Spanien, Holand, Westfalen, Meideborg, Hamborg, Bremen, Lubke und auch in vilen polnischen stedten und manchen landen." 64
3. Scharbink, Pest und Englischer Schweiß zwischen 1494 und 1550
Der Bremer Chronist Arndt Sparenberg nennt sieben Jahre darauf zum erstenmal eine bis dahin in der Stadt nicht bezeugte Krankheit, die offenbar ähnlich schreckliche Eindrücke hinterließ wie die Pest. "Anno 1491 waß ein sware plage geheten de scharbink, dor storfen vele lüde af, er se idt wiß worden, wat for ene doht suke waß." 65 Der ethymologische Zusammenhang mit dem Wort Skorbut ist eindeutig, nicht aber, wie diese Krankheit in der heutigen medizinischen Terminologie bezeichnet würde.
Schon 1494 wird eine Wiederkehr der Pest nach Bremen durch Johannes Schiphower gemeldet: "Pestis miseranda et lugubris illo tempore incepit, quae primo in Westphalia, Osenburgensi in civitate anno MCCCCXCIIII et Bremis
61 Vgl. Bruns, Bergenfahrer, S. 411.
62 StUBB, Brem.a.96, S. 406'; Transkription v. Klink, Teil 1, S. 428.
63 2-P.l.s.l8.k„ S. 64; 12, W.l, S. 154, 156 f.; 12, W.7, S. 61, 74, 85; 12, W.14, S. 305, 307. Im selben Jahr starben auch sein mit Graf Gerd verfeindeter Bruder Moritz, Inhaber der Herrschaft Delmenhorst, und dessen Frau Katharina an der Pest, vgl. Hamel- mann, hrsg. v. Rüthning, S. 125; ders., Ausg. v. Gilly de Montaut, S. 249.
64 Die Chroniken. Lübeck, Bd. 5, S. 312 Anm. 10. Weinrich war Rheder und Kaufmann, der sich lange in England und den Niederlanden aufgehalten hat, bis er um 1480 in Danzig seßhaft wurde. Seine Chronik umfaßt die Jahre 1461-1496, vgl. Lorenz, S. 200 .
65 2-P.l.s.2.b., S. 234.
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