GELEITWORT
Die Staats- und Universitätsbibliothek Bremen legt mit dem Verzeichnis der Briefsammlungen des 16. und 17. Jahrhunderts einen weiteren Katalog vor, der nun den unikalen historischen Bestand an Briefen für die wissenschaftliche Forschung erschließt. Dieses Verzeichnis ergänzt die zuvor erstellten Kataloge der mittelalterlichen (2004) und neuzeitlichen Handschriften (2008) unserer Bibliothek.
Für den vorliegenden Katalog der Bremer Briefsammlung wurde eine autoptisch- systematische Erfassung aller 3.800 Einzelstücke des 16. und 17. Jahrhunderts vorgenommen. Meistenteils handelt es sich um Briefe, die Sammlung enthält aber auch andere handschriftliche Materialien wie Gedichte, dazu beigebundene Drucke usw. Die Bezugspunkte bilden dreizehn gebundene Bände, darunter zwei von Melchior Goldast von Haiminsfeld (1576 oder 1578-1635), dessen späthumanistische Gelehrtenbibliothek zum Gründungsbestand der Bibliotheca Bremensis zählt. Dem wissenschaftlich Interessierten bieten sich über die persönliche Korrespondenz Goldasts spannende Einblicke in sein Wirken und seine bibliophile Sammelleidenschaft. Herausragend sind auch drei Bände von Briefwechseln des im 17. Jahrhunderts wohl bedeutendsten Bremer Theologen Johannes Coccejus (1603-1669). Für die wissenschaftliche Forschung sind die überlieferten Briefe wertvolles Anschauungsmaterial, in denen sich die theologischen Auseinandersetzungen in Bremen während des 16. Jahrhunderts manifestieren. So dokumentiert sich in den Briefwechseln die fortschreitende reformierte Konfessionalisierung; die Briefe belegen den Richtungsstreit zwischen Lutheranern, Melanchthonianern und Reformierten. Für das 17. Jahrhundert liegen Schwerpunkte in der Betrachtung der intellektuellen Welt des Kalvinismus, wie er sich in Gestalt der deutschen und niederländischen Universitäten und Hohen Schulen darbot.
Das von Thomas Eismann als „Sammlung in der Sammlung“ beschriebene Bremer Konvolut von Briefen des 16. und 17. Jahrhunderts wurde in der wechselvollen Bibliotheksgeschichte der heutigen Staats- und Universitätsbibliothek Bremen mehrfach in Ansätzen katalogmäßig erfasst. Die für diesen jetzigen Katalog vollständig vorgenommene neue systematische Beschreibung aller Einzelstücke schließt dabei an den in der Mitte des 19. Jahrhunderts vom damaligen Bibliotheksdirektor Heinrich Rump initiierten Katalog der bremischen Handschriften an. Berücksichtigt werden dabei auch die den Sammelbänden vorangestellten Register aus verschiedenen Jahrhunderten.
In der Bremer Briefsammlung zeigt sich einmal mehr, dass der Brief als literarische Kunstform betrachtet werden kann, er aber ebenso als das zentrale, unmittelbare Kommunikationsmittel der damaligen Zeit gilt. Für das Zeitalter der Reformation und der
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