ANSCHAUUNG VOM THÜEINGERWALD I. E. S.
; (Siehe Karte).
Welches orographische Bild gewähren nun obige Resultate? Die Untersuchung über die Richtungsverhältnisse des Thüringerwaldes i. e. S. zeigt, dai's dieser einen Hauptkamm darstellt, von dem Nebenkämme, die sich ihrerseits wieder verästeln, in nahezu rechtem Winkel ausgehen. Die Thäler sind dieser Hauptscheidelinie und den Nebeuscheidelinien wie Gefällsflüsse angeordnet. Deshalb ist die Horizontalgliederung des Thüringerwaldes unter die Gruppe von Gebirgs- gliederungen zu zählen, welche von Klöden 1 als Quer-, von C. Neumann 2 und Sonklar 3 als Transversalgliederung, von Penck 4 aber als fiederförmige Gliederung bezeichnet wird, im Gegensatz zu der strahlenförmigen oder radialen und der parallelen oder rostförmigen 6 Gliederung. Und man kann an den Thüringerwald denken, wenn Penck in Bezug auf die Gebirgsfieder ausführt: „Lagerung und Beschaffenheit des Gesteins werden in beiden Fällen" — bei der radialen und fiederförmigen Gliederung — „nur in minimalem Mafse für Anordnung der Kämme oder Thäler bestimmend 6 ." „Im nordwestlichen Teil — d. i. dem Thüringerwald i. e. S. — tritt ein kausaler Zusammenhang zwischen den gebirgsbildenden Kräften und orographischem Bau nur wenig hervor; letzterer wird vielmehr im wesentlichen durch die grofse Verbreitung der Eruptivgesteine bedingt, die erst nach der Zeit der Hauptfaltung zur Eruption kamen 7 ."
Die Thäler des Thüringerwaldes sind im wesentlichen Erosions- erscheinungen. Sie sind nicht bedingt durch den geologischen und
1 Klöden, Handbuch, S. 104.
2 C. Neumann, Lehrb. d. Geognosie, S. 200.
3 Sonklar, Uber die plastischen Verhältnisse der Ostalpen, S. 1. Sonklar, Allgemeine Orographie, S. 80—81.
4 Penck, Morphologie II, S. 170 ff.
5 Richthofen, Führer, S. 663, 704.
6 Penck, Morphologie II, S. 170 ff.
7 Pröschold, S. 360.