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Beiträge zur Geographie des mittleren Deutschland / hrsg. im Auftrag des Vereins für Erdkunde und der Carl Ritter-Stiftung von Friedrich Ratzel
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ANSCHAUUNG VOM THÜEINGERWALD I. E. S.

; (Siehe Karte).

Welches orographische Bild gewähren nun obige Resultate? Die Untersuchung über die Richtungsverhältnisse des Thüringerwaldes i. e. S. zeigt, dai's dieser einen Hauptkamm darstellt, von dem Neben­kämme, die sich ihrerseits wieder verästeln, in nahezu rechtem Winkel ausgehen. Die Thäler sind dieser Hauptscheidelinie und den Nebeu­scheidelinien wie Gefällsflüsse angeordnet. Deshalb ist die Horizontal­gliederung des Thüringerwaldes unter die Gruppe von Gebirgs- gliederungen zu zählen, welche von Klöden 1 als Quer-, von C. Neu­mann 2 und Sonklar 3 als Transversalgliederung, von Penck 4 aber als fiederförmige Gliederung bezeichnet wird, im Gegensatz zu der strahlenförmigen oder radialen und der parallelen oder rostförmigen 6 Gliederung. Und man kann an den Thüringerwald denken, wenn Penck in Bezug auf die Gebirgsfieder ausführt:Lagerung und Be­schaffenheit des Gesteins werden in beiden Fällen" bei der radialen und fiederförmigen Gliederungnur in minimalem Mafse für An­ordnung der Kämme oder Thäler bestimmend 6 ."Im nordwestlichen Teil d. i. dem Thüringerwald i. e. S. tritt ein kausaler Zu­sammenhang zwischen den gebirgsbildenden Kräften und orographischem Bau nur wenig hervor; letzterer wird vielmehr im wesentlichen durch die grofse Verbreitung der Eruptivgesteine bedingt, die erst nach der Zeit der Hauptfaltung zur Eruption kamen 7 ."

Die Thäler des Thüringerwaldes sind im wesentlichen Erosions- erscheinungen. Sie sind nicht bedingt durch den geologischen und

1 Klöden, Handbuch, S. 104.

2 C. Neumann, Lehrb. d. Geognosie, S. 200.

3 Sonklar, Uber die plastischen Verhältnisse der Ostalpen, S. 1. Son­klar, Allgemeine Orographie, S. 8081.

4 Penck, Morphologie II, S. 170 ff.

5 Richthofen, Führer, S. 663, 704.

6 Penck, Morphologie II, S. 170 ff.

7 Pröschold, S. 360.