346 B- Richtungsverhältnisse der Kamm- und Thalbildungen eines Gebirges.
III. Kamin- und Thalrichtungen des Thüringerwaldes i. e. S.
Folgende Untersuchung bezieht sich auf den Thüringerwald. Es bleibt also die interessante Aufgabe, dieselbe Untersuchung auch auf den Frankenwald, das Fichtelgebirge und den Böhmerwald auszudehnen und die gewonnenen Resultate miteinander zu vergleichen und festzustellen, welchen Anteil die Gebirge an den beiden Hauptrichtungen der deutschen Mittelgebirge haben, was jedoch zunächst noch unterbleiben inufs, weil das zur Zeit vorhandene Kartenmaterial dieser Gebiete den Anforderungen solcher Untersuchungen nicht genügt. Die auf Anregung des Herrn Dr. Albert Schmidt im Auftrage des Fichtel- gebirgsvereins herausgegebene Karte ist im Mafsstabe 1:50 000 hergestellt, enthält aber keine Isohypsen und läfst infolgedessen die Kammbildungen nicht mit der nötigen Deutlichkeit erkennen. Die Isohypsenkarte dieses Gebietes im Mafsstabe 1:250 000 ist zu derartigen Untersuchungen nicht ausführlich genug.
Beziehentlich der Ausdehnung des Thüringerwaldes spricht man vom Thüringerwald i. e. und w. Sinne und versteht unter letzterem den gesamten Gebirgszug von dem Werraknie im Nordwesten bis zum Fichtelgebirge im Südosten, also den Thüringer- und Frankenwald. Da aber für den bayrischen Anteil des Frankenwaldes die sogenannten Mefstischblätter noch nicht erschienen sind, beschränkt sich diese Arbeit auf den Thüringerwald i. e. S. und grenzt ihn ab, indem sie auf die orographischen Verhältnisse des Gebirges Rücksicht nimmt, soweit es die geologischen erlauben. Nach SO freilich lassen die orographischen Verhältnisse nur undeutlich eine Grenzlinie erkennen, aber mit A. Kirchhoff, Afsmann, Fiedler, Cotta und Stange und im Gegensatz zu Heim, Hoff und Jakobs, Völker, Gümbel, Spiels, Pröschold, welche den Thüringerwald nach Südost durch die Einschnitte des Loquitz- und Hafslachthales und der die beiden Thäler trennenden Loquitz-Hafsbach-Wasserscheide abgrenzen, wird sich in folgendem entschieden für die geologische Grenze des südöstlichen Schiefergebirges gegen den aus mannigfaltigen Gesteinen zusammengesetzten nordwestlichen Teil, also für die Linie, welche zwischen Amtgehren und dem Schleusengrund über Möhrenbach, Witzlebener Tanne, Altenfeld, Gießhübel, Unterneubrunn, Ernstthal und Waldau zieht. Die „Geognostische Übersichtskarte des Thüringerwaldes" von Dr. Beyschlag 1897 und Regels „Geologische Karte von Thüringen" lassen erkennen, dafs südöstlich dieser Linie geologisch und auch oro- graphisch ein ganz anderes Gebiet beginnt, ein Gebiet, welches andre Gesteine — Cambrium — und neben der sudetischen Richtung auch die erzgebirgische aufweist. Die Schwalbenhauptwiese zwischen Lafs-