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Beiträge zur Geographie des mittleren Deutschland / hrsg. im Auftrag des Vereins für Erdkunde und der Carl Ritter-Stiftung von Friedrich Ratzel
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Methode zur Bestimmung der Richtungsverkältiiisse. 345

und bilden die Wasserscheide zwischen zwei Flüssen, die erst aufser- halb desselben in ein grösseres Wasser münden.

Uber den Ansatzpunkt von Nebenkammlinien schreibt Peucker 1 : Verlegte man ihn auf einen (Gipfel-) Punkt der Hauptkammlinie, so beginge man damit denselben Fehler, wie anfangs Sonklar, als er den Thalbeginn auf die Wasserscheide verlegte: Man griffe in das Gebiet des Hauptkammes ein. Der fragliche Punkt ist in der That weiter unten zu suchen, und zwar genau da, wo die oben angefühi'ten Be­dingungen 1 (sobald eine [mehr oder minder] deutliche Kammlinie vorhanden ist) und namentlich 2 (sobald die seitlichen Gehänge steiler sind, als die Neigung vom Hauptkamm herab) einzutreffen be­ginnen. Dieser Ansatzpunkt mufs immer ein Sattelpunkt sein."

Den genauen Eintritt dieser Bedingungen auf einer noch so aus­führlichen und sorgfältigen Karte anzugeben, wird jedoch immer eine mifsliche Sache sein. Mehr oder weniger willkürlich geschieht dies auf jeden Fall. Auch kann nicht behauptet werden, dafs eine der­artige Bestimmung des Kammansatzes einfach und natürlich wäre. Es ist selbstverständlich, dal's in Wirklichkeit der Seitenkamm nicht bis an das ideale Hauptkammlinienprofil heranreicht. Denkt man sich aber den Kamm eines Kettengebirges als ein Dach oder Gewölbe, so wird sich doch die Schnittfläche des Hauptkammes mit dem Neben­kamme so an dem ersteren hinanlehnen, dafs sie dessen oberste Linie, also die Hauptkammlinie berührt. Und wie man bei einem Eichen­laub die Nebenrippen bis an die Hauptrippe verfolgen kann, ohne dafs die Blatteinschnitte, vgl. Thäler, bis an dieselben reichen, so wird man auch die Nebenkämme bis zu der betreffenden Hauptkamm­linie verfolgen können, von welcher sie ausgehen. Gerade bei oro- metrischen Untersuchungen, die so gern Anspruch auf mathematische Genauigkeit machen, ist es nötig, von ganz bestimmten Ansatzpunkten auszugehen und beziehentlich derselben nicht einen gröfseren oder geringeren Spielraum zu lassen. Als solche empfehlen sich für die Berechnung ohne Zwang und Vieldeutigkeit in erster Linie die Schnitt­punkte der die Haupt- und Nebenkämme repräsentierenden Linien, wie Peucker auch darauf hinwirkt, dafs als äufsere Enden der Kämme nicht deren letzte Gipfel-, sondern die äufsersten Fufspunkte anzusehen sind- Die Thal- und Seitenkammanfänge in Parallele zu stellen, rechtfertigt sich schon deshalb nicht, weil die Kammbildungen gleich­sam das festgefügte Gerippe, das Positive der Thalbildungen aus­machen.

1 Peucker, S. 21.