B. DIE ERZEUGUNG DES PARALLELISMUS UND DIE FORMEN DER PARALLELEN GLIEDERUNG.
I. Verschiedene Arten der Erzeugung des Parallelisinus.
Wie wir aus der geschichtlichen Übersicht der Lehren von der Gebirgsanordnung sehen können, geht der Gedanke von dem Parallelismus der Gebirgsketten durch die ganze Geschichte der Geographie. Freilich fassen wir diesen Begriff jetzt nicht mehr im alten Sinne auf. Sind es doch weder die miteinander parallel verlaufenden Bergmeridiane und Bergparallelen noch die parallel angeordneten Wasserscheiden noch die Erhebungen auf den Spalten, die parallel mit den Kanten irgend einer Krystallform verlaufen, welche den Inhalt des Begriffes Parallelismus bilden. Parallelismus der Gebirge nennen wir jene Art der Gliederung, die durch das Auftreten mehrerer verhältnis- mäfsig kleiner Bergrücken mit beinahe derselben Längsaxenrichtung auf einem beschränkten Räume erzeugt wird. In diesem Sinne ist der Parallelismus eine der weitest verbreiteten Erscheinungen auf der Erdoberfläche. Von den kleinen parallelen Rauhigkeiten auf dem Sande, den ripple-marks, mit deren Entstehung sich noch Lyell 1 beschäftigte, bis zu den parallelen Biegungen der Gesteine im Gebirge, von da bis zu den parallelen Faltenketten und zu dem seit Buffon 2 und Humboldt 3 soviel besprochenen Parallelismus der zugewandten Küsten der alten und neuen Welt — überall sieht man sich der Er-
■ Lyell, Manual of Geology, 5. Edit. 1855, S. 19.
2 Histoire Naturelle, Art. VI.
3 Voyage aux regions equin. Relat. historique II, S. 19. Journal de Physique III, S. 33. Kosmos I, S. 309.