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Beiträge zur Geographie des mittleren Deutschland / hrsg. im Auftrag des Vereins für Erdkunde und der Carl Ritter-Stiftung von Friedrich Ratzel
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III. Allgemeiner und zusammenfassender Teil.

auf die Regenverhältnisse finden wir allerdings auch bei Studnicka nicht. Denn einesteils enthält seine zu diesem Zwecke entworfene Zusammenstellung nur Waldstationen aus dem nördlichen und nord­östlichen Böhmen und schliefst das südwestliche Grenzgebirge aus; andernteils ist eine Gebirgsgegend mit ihren grofsen Niveauverschieden- heiten für einen derartigen Beweis überhaupt ungünstig; denn es kom­binieren sich dort die beiden ähnlich wirkenden Faktoren Höhe und Bewaldung, ohne dafs man in der-Lage wäre, ihre Anteile scharf auseinanderzuhalten (cf. Lehr, S. 218).

4. Alle Seen haben über 1000 mm Regen, mit Ausnahme des Plöckensteinsees. Der grofse Arbersee hat die meisten Niederschläge ein Grund mehr, seine Verbindung zu beschleunigen.

5. Das Niedersctilagsmaximum fällt in den Sommer (JuniJuli). Ein zweites Maximum liegt im Dezember; bei einigen Höhenstationen (cf. Aufsergefild) prägt sich noch ein drittes im Oktober aus.

6. Vergleicht man den Unterschied zwischen gleichgelegenen Stationen in der Höhe und am Fufse des Gebirges, so nehmen die Winterniederschläge im Verhältnis zu den Niederschlägen im Sommer nach oben immer mehr zu. Es folgt daraus für das Seengebiet, dafs wir hier grofsen Schneereichtum zu erwarten haben; die Schneetabelle der bayerischen Stationen bestätigt uns dies.

Gebirge mit so grofser Feuchtigkeit, vor allen Dingen mit so grofsem Schneereichtum bedürfen nur einer geringen Abkühlung des Klimas, um Firn zu bilden. Wir dürfen also aus den heutigen klima­tischen Verhältnissen den Schlui's ziehen, dafs der Böhmerwald in der Glacialzeit mindestens geeignet war zur Verfirnung seiner oberen Teile.

Wir haben in vorstehenden kurzen Sätzen auf Grund des neuen Beobachtungsmaterials alles das bestätigen und präcisieren können, was bereits Partsch und Bayberger nach Hanns 1 älteren Unter­suchungen darzustellen suchten.

Optische Erscheinungen.

Die Färbung des Seewassers zeigte uns dieselbe Eigentümlichkeit, die wir an allen Bähmerwaldgewässern konstatieren können, einen bräunlichen Ton, vermischt mit einer grünen Nüance, wie er sich dar­stellt in der Uleschen Skala unter Nr. 1216. Die Erklärung

1 Hann, Die Untersuchungen der Regenverh. in Österr.-Ungarn. Sitz.-Ber. d. K. K. Ak. d. W., 1879, Bd. 80. Die jährl. Perioden des Regenfalls in Österr.- Ungarn. Zeitschr. d. österr. Ges. f. Met. XV, S. 253. (Nach Ratzel, Die Schneedecke.)