Druckschrift 
Beiträge zur Geographie des mittleren Deutschland / hrsg. im Auftrag des Vereins für Erdkunde und der Carl Ritter-Stiftung von Friedrich Ratzel
Entstehung
Seite
66
Einzelbild herunterladen
 

66

III. Allgemeiner und zusammenfassender Teil.

sinken, bis sie Wasserteilchen gleicher Dichte finden. Mit dieser Er­klärung läfst sich auch die Beobachtung vereinen, dafs wir oben eine Region gleichbleibender Temperatur finden; wir haben dort das Centrum dieses Kreises, mit einer Temperatur, nie so warm wie die durchschnittliche Erwärmung an der Oberfläche also schwerer, aber doch wärmer, als die während der Nacht abgekühlte und sinkende Schicht. Audi darin stimmen wir mit Langenbeck überein, dafs die rasche Durchwärmung eines Beckens nicht von einer konstant hohen Sommertemperatur abhängig ist, sondern von der Differenz zwischen Tag- und Nachtwärme an der Oberfläche, die ja erst einen thermischen Konvektionsstrom hervorruft und so die oben eingetretene Er­wärmung für die tieferen Schichten nutzbar macht 1 .

Ni ederschl agsverhältuisse.

Zur Beurteilung der schnelleren oder langsameren Verlandung der Seen, sowie zur Unterstützung der Annahme einstiger Ver-

1 Im Anschlüsse an diese täglichen Messungen seien noch einige methodische Bemerkungen eingeschaltet. Wenn man Beobachtungen in geringen räumlichen und zeitlichen Intervallen anstellt, handelt es sich hei den einzelnen Messungen oft um Differenzen von Zehntelgraden. Nicht selten kommt es dann vor, dafs die erhaltene Zahl anders ausfällt, als wir a priori erwartet hätten. Ein Beispiel möge dies beweisen. Ich hatte an einer Stelle 8 0 gefunden, obgleich ich nach den früheren Erfahrungen dort noch über 9° erhalten mulste. Ich wiederholte die Messung am Ende der Reihe, also nachdem das Thermometer auf unter 5° ab­gekühlt war und fand 9,2° wobei bemerkt werden mufs, dafs der Kahn ein wenig von seiner Stelle abgetrieben war. Eine solche Beobachtung veranlagte, nach den Fehlerquellen bei solchen Messungen zu suchen, von denen ich folgende anführen möchte:

1. Durch anderes Setzen im Boote wird eine Neigung desselben erzeugt und das Thermometer in eine andre Tiefenlage gebracht. Innerhalb der Sprungschicht genügt dies, um einen Fehler von mehreren Zehntelgraden zu erzeugen.

2. Wellenschlag wirkt unter Umständen auf ähnliche Weise.

3. Es ist nicht immer möglich, unter demselben Winkel zum Glasrohr ab­zulesen, namentlich bei nächtlicher Laternenbeleuchtung. So erscheint der Queck­silberfaden an einer anderen Stelle, oder der Schatten desselben verleitet zu Irr­tümern.

4. Nach Ule bildet die Sprungschicht namentlich an warmen Tagen eine konvexe, nach Langenbeck eine unregelmäfsig wellige Fläche. Treibt also das Boot von seiner Stelle, was meist unvermeidlich ist, so kommen wir in andre Temperaturregionen.

5. Unterseeische kalte Quellen erzeugen Strömungen, in die man zufällig geraten kann. Dieser Ursache war jedenfalls der obenerwähnte bedeutende Fehler zuzuschreiben.

Ich habe jede verdächtige Zahl durch eine Nachmessung geprüft und so die Fehler auf ein Minimum zu beschränken gesucht.