Print 
Beiträge zur Geographie des mittleren Deutschland / hrsg. im Auftrag des Vereins für Erdkunde und der Carl Ritter-Stiftung von Friedrich Ratzel
Place and Date of Creation
Page
28
Turn right 90°Turn left 90°
  
  
  
  
  
 
Download single image
 

28

II. Einzeldarstellungen.

samkeit zu widmen. Leider existieren bis jetzt noch keine syste­matischen Beobachtungen darüber 1 . Erkundigungen, die man von Forstleuten und Anwohnern einzieht, sind selten völlig überein­stimmend, und ich habe deshalb die Erörterung dieser Frage völlig unterdrückt, wo nicht Angaben von gröfserer Zuverlässigkeit vorlagen.

Der See gefriert oft schon im Oktober oder Anfang November und behält die letzten Reste seiner Eisdecke bis zum Mai. Die Decke des Eises mag wenig über 50 cm betragen. Der Schnee liegt an geschützten Stellen der Seewand bis in den Juni und Anfang Juli. Unterschiede zwischen der Schneelagerung am Ausflufs und unterhalb der Seewand sind nicht beobachtet worden, so dafs wir also bei gegenwärtigen Schneeverhältnissen keine schiefe Ebene als Rutsch­bahn für Gerölle erhalten. Wohl aber macht sich eine Differenz von S. nach N. zu bemerkbar, indem die regelmäfsigen Winde den Schnee aus dem Südzipfel des Beckens gegen den Pavillon treiben und dort oft hohe Wehen aufhäufen. Lawinen aus der Seewand scheinen selten zu sein, und ob dieselben nur Baumstämme und Eisstücke oder auch Felsblöcke mit sich führen, läfst sich selten sicher feststellen. Nach Angabe des Seeförsters hat eine Lawine am 25. Juni 1896 grofse Blöcke mit hinuntergerissen. (Ebenso hat ein Gewitter am 10. Juli 1896 viel Blockwerk gelöst und in der Steilwand einen noch heute sichtbaren Hohlweg gegraben.)

Grofscr Arlbersee.

Topographie und Geologie der Umgebung.

Die beiden Arberseen, denen wir uns nun zuwenden, liegen im Gebiete des hercynischen Gneifses, dessen Streichen im allgemeinen SO.IS T W., dessen Einfallen gegen NO. ist, so dafs wir also bei einer Wanderung von SW. nach NO. allmählich aus den liegenden Schichten in das Hangende, in den Glimmerschiefer des Osser gelangen, v. Gümbel unterscheidet drei Gneifsvaritäten; im Liegenden streicht der Cordieritgneifs mit dem berühmten Bergwerke von Bodenmais. Daran schliefst sich der quarzitische Körnelgneifs mit Übergängen

1 Um diese Lücke künftig auszufüllen, habe ich 80 Fragebogen im Gebiete verteilt, die im wesentlichen den von Prof. Ratzel (Über die Schneeverh. in den bayr. Kalkalpen; Jahresbericht d. geogr. Gesellsch. zu München f. 1885, H. 10, S. 33) vorgeschlagenen Wortlaut haben. Da der Einlauf der Berichte zur Zeit noch nicht abgeschlossen ist, sollen die Ergebnisse gesondert publiziert werden. Vergl. auch Ratzel, Neue Bruchstücke üb. Schneelagerung; Jahrb. d. geogr. Ges. München 1887, H. 12, S. 69.