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Beiträge zur Geographie des mittleren Deutschland / hrsg. im Auftrag des Vereins für Erdkunde und der Carl Ritter-Stiftung von Friedrich Ratzel
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Der Schwarze See.

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Der Schwai'ze See.

Topographie und Geologie der Umgebung.

Der Schwarze See liegt in demselben Glimmerschiefer eingetieft, wie der Teufelssee; derselbe Gipfel (1343 m) überragt ihn im SW., während im W. das etwas niedrigere Zwereck (1270 m) den Kulmi­nationspunkt der Seewand angiebt. Da der Seespiegel 1008 m Meereshöhe hat, erhalten wir eine relative Höhe der Wand von 335 m die bei ihrer Steilheit einen imposanten Eindruck macht. Der Cirkus bildet keine gleichmäfsige Rundung; während der nw. Teil hart am See in voller Steilheit aufsteigt, legt sich die SW.-Hälfte weit zurück und giebt einem ziemlich breiten, flacheren Vorland Raum. Der Neigungswinkel des vorderen Teils beträgt 45°, hinten zunächst nur 15°. Folgen wir einem beschwerlichen, fast unkenntlichen Pfade auf­wärts, so kommen wir durch Stellen mit 40 °, weiter oben mit 25 bis 30°. Hier und da ragt ein nackter Fels aus dem Hochwald hervor unersteigbar für den Menschen, unfähig, auch nur eine Grasdecke zu erhalten. Und doch ergiebt sich auch für diese steile Seewand nur eine Gesamtneigung von 30° (Bayberger 80°). Der Hintergrund des zurückgelegten Cirkusteiles ist eingenommen von mächtigen in der Sonne oft spiegelnden Felswänden. Um Harnischbildungen fest­zustellen, versuchte Verfasser in einer Wasserrunse von 55° Neigung mitten in diese Wände zu gelangen. Nach ca. 30 m höchst beschwer­lichen Abstiegs mufste das Vorhaben leider aufgegeben werden, ohne dafs die Harnische wirklich konstatiert werden konnten. Trotzdem unterliegt es keinem Zweifel, dafs diese 65° steile, glatte Wand eine kolossale Verwerfung in der Richtung NO.SW. darstellt. Die los­gelösten Felspartieen liegen zum Teil als mächtige Blöcke in der Tiefe, zum Teil mag sie auch der See bedecken. Ein Modell des Schwarzen Sees, das im vorigen Jahre für das Böhmische Museum in Prag angefertigt worden ist, zeigt noch eine zweite parallele Ver­werfung, die aber in der Natur nicht genau verfolgt werden konnte. Eine senkrechte Kluft durchzieht die Seewand an ihrer vorderen steilsten Stelle und setzt sich auch in den See hinein noch fort. In der Nähe dieses Punktes, wo ein schmaler Pfad den See umgeht, bemerkt man bisweilen auch geruudete Felsen, ähnlich denen am Teufelssee, doch nie in so typischer Ausbildung. Die SO.-Flanke des Beckens senkt sich ein weites Thor öffnend allmählich herab, zeigt an ihrer Hauptschneise einen Abfall gegen den See von 30°. An der N.-Flanke, die ebenfalls nur niedrig bleibt, ist durch Wege­bau eine Ablagerung aufgeschlossen, die in gelbem Lehm grofse und