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in der That, was haben wir denn — von der Auferweckungslehre des Evangeliums abgesehen — für diesen Glauben für stärkere Beweise, als die Idee, welche frisch im reinen Gemüthe wohnt ■— als die Liebe, die das Band nicht fahren lassen will, das uns beständig zu den Geliebten hinüber, diese zu uns herüber führt; die in uns ein Gewissen für die Todtcn, ja ein Bewußtseyn bildet, daß wir von ihnen gewußt werden — ein Gewissen, daß ihre Wünsche erfüllt, ihre Waisen aufnimmt, ihre Andenken wie Kleinodien bewahrt, ihre Hügel bekränzt, für ihre Ehre die Waffen zieht, ihre Ruhestätten in den Frieden der öffentlichen Achtung legt, so daß Gesetze nur gegen den rohsten Pöbel nöthig waren. *) **) —
Alle metaphistschen Raisonncments würden nicht
*) Wenigstens wird der Unsterblichkcits glaub e häufig durch die von den Juden cingcbrachte Auferweckungsidee gestört, und das ewige Leben von der Auferweckung durch den Messias, und dem Glauben an ihn bedingt.
Im Ganzen ist indessen gewiß, daß Jesus den Anfer- stehungsglauben nicht in dem Sinne gelehrt habe, worin derselbe die natürliche Fortdauer des Geistes nach der Scheidung vom Körper verneint, oder doch zweifelhaft macht. — Joh. 11, 26, 28. Lucas 43, 46. Marc. 5, 41. Matth. 22, 32.
Und, wie die Auferstehung ursprünglich wohl nur eine Jncarnation der Unsterblichkeitsidee, oder ein Bild war — vom Erstehen der Natur am Morgen und im Frühlinge genommen: so scheint auch Jesus manchmal den rohen Wortsinn zurückzmveisen gewagt, und die Unterschiebung eines moralischen Sinnes versucht zu haben. Matth. 22, 32. Joh. 11, 24 25.
Der Umstand, daß die Juden so arm an Philosophie, als reich an Aberglauben waren, trug eine Fülle von Dornen für den heiligen Lehrer, wie von Rosen für die Priester, und beschränkte die Freiheit des Bortrages für ihn so schmerzlicher, je mächtiger die Schwungkraft seines gotterfüllten Geistes war.
**) Tit. Pandccl. Ne quid in loco saei'o fiat.
De sepul. viol.