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Die Friedhöfe zu Bremen / von Dr. S ... aus Briefen an seinen Sohn in Louisiana
Entstehung
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I.

anstößig mir schon als Knaben die frichcre Gestalt der Begräbnißplätze zu .M war, so gern besuche ich die hiesigen Friedhöfe, in welchen die Abgeschiedenen ihre Auferstehung, nicht im rohen Sinne des Fleisches, sondern mittelst Verwandlung in Blumen, zu feiern scheinen. Sonst drängten sich die Todten um die Heiligthümcr die reicheren Christen selbst zu den Priestern in die Kirchen, um der Gottheit und ihren Mittlern näher, oder auch, nur von «den gemeinen Leuten" entfernter zu sein. Seit indessen die Kirchen und ihre Umgebungen diesem Aberglauben und dieser Eitelkeit verschlossen sind, hat das Gefühl der Lebenden einen weitern Spielraum gewonnen, und die Beobachtung, wie cs sich hier aus­spricht, ist an sich und für die Bildung des Begriffes von dem Charakter einer Gemeinde interessant.

In dieser Hinsicht ist es für Bremen gewiß empfehlend, daß man gegen die Erwartung von einer so reichen Handelsstadt wenige, oder keine Monumente findet, welche sich durch Pracht und Kostbarkeit besonders auszeichneten. Die meisten Grab stellen bilden wohl­unterhaltene, durch Gußeifeugittcr in mannigfachen schönen Formen geschützte Gärtchen, so daß man, zumal im Junius, auf einem großen duftigen Blumenparterre zu wandeln glaubt. Jene Einschließung ist freilich eine Ausschließung: aber diese ist ja nur dann zu tadeln.