Die Eingeborenen und die deutfche Machtftellung
ie deutfche Reichsregierung hat im Jahre 1903 in einer den gefe^gebenden Körperfbhaften vorgelegten Denklchrift über die Entwicklung der Schutzgebiete den folgenden Sa% hervorgehoben: »Die Kolonialverwaltung ift fich bewußt, daß ihr zur Befeftigung der deutlbhen Herrlchaft und gleichzeitig zur wirtlchaftlichen Entwicklung der Kolonien kein wirksameres Mittel zur Verfügung fteht, als die Hebung des Kulturftandes der Eingeborenen«.
Diefer in klaren Worten proklamierte Gedanke war feit langer Zeit im Gouvernement von Deutlbh - Oftafrika lebendig und kam auch dauernd in feinen Maßnahmen zum Ausdruck. Seine Beftrebungen zur Hebung der primitiven Formen afrikani- IcherVieh- und Bodenwirtlchaft, ein bis in die entfernteften Land- Ichaften ausgedehnter fanitätsamtlicher Dienft zur Verbefferung der überaus traurigen hygienifchen Verhältniffe unter der Bevölkerung, ferner die Förderung des Unterrichtswefens, die Verteilung von Saat verfchiedenfter Art durch die Kommunalverwaltungen, die unabläffigen Verfuche zur Bekämpfung der Heulchrecken- und Wildichweinplage und anderes legen beredtes Zeugnis hierfür ab.
Auch der Staatsfekretär Dernburg hat fich bekanntlich diefe den Eingeborenen freundliche Taktik zu eigen gemacht; fie bildet das Motto zur Kolonialpolitik faft aller modernen Kulturftaaten.
Diefe bemerkenswerte Übereinftimmung der Anflehten in einer fo wichtigen Frage entfpringt aber weniger aus dem neuzeitlichen, humanitären und fchönen, über feine Endziele nur recht
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