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(2012) Bd. 9. Unterwegs in Zwischenräumen Stadt - Garten - Denkmalpflege : [79. Tag für Denkmalpflege und Jahrestagung der Vereinigung der Landesdenkmalpfleger in der Bundesrepublik Deutschland in Bremen, 5.-8. Juni 2011, Dokumentation]
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Wenzel Bratner ■ Bild und Original in der Gartendenkmalpflege

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Wenzel Bratner

Bild und Original in der Gartendenkmalpflege

Dieser Beitrag möchte einige Aspekte zur Band­breite an Möglichkeiten zwischen dem Umgang mit originaler Substanz und dem vorhandenen und angestrebten Erscheinungsbild historischer Gärten und Parks anreißen.

Der Denkmalwert eines Gartendenkmals setzt sich wie derjenige eines Baudenkmals aus vielen bekannten Werten zusammen, unter an­derem dem Gestaltwert, Bildwert, Alterswert, Quellenwert seines räumlichen Gefüges, erst einmal unabhängig vom vorhandenen Umfang an originaler Substanz und Struktur. Dieses räumliche und auch funktionale Gefüge gilt es zu bewahren, wenn man die Aussage und das Konzept des Gartens für die Nachwelt tradieren möchte.

Ein Garten, den man ohne pflegende Ein­griffe sich selbst überlässt, wird erst verwildern, dann in Schönheit sterben und schließlich ver­schwinden. Anstelle von Pflanzenbeständen, die mit der Zeit unweigerlich absterben, müssen nach und nach neue Bestände aufgebaut wer­den. Wenn es also keine legitime denkmalpflege- rische Maßnahme wäre, in historischen Gärten Ersatzpflanzungen und Materialaustausch vor­zunehmen, würde auf lange Sicht nicht viel mehr als ein Bodendenkmal übrig bleiben. Aber ganz so einfach ist es natürlich nicht.

Für das Ziel der Erhaltung eines Garten­denkmals und der Bewahrung eines beabsich­tigten Erscheinungsbildes, unterstützt durch denkmalpflegerisches Handeln, muss man sich darüber im Klaren sein, welches Bild überhaupt angestrebt werden kann und soll, am besten vorbereitet durch lückenlose Inventarisation und kontinuierliche Anlagenforschung.

Hat man es mit einer historischen Garten­anlage zu tun, die im theoretischen Glücksfall einer kontinuierlichen gartendenkmalpflegeri-

schen Pflege und Betreuung unterliegt, stellt sich für den Umgang mit der Substanz irgend­wann die Schlüsselfrage: Wie weit kann man Al­terung und Zerfall gehen lassen, bis Reparatur und Ersatz unausweichlich werden? Wann kippt auch das Bild, von »zwar historisch« zu »man erkennt es aber leider nicht mehr«? Spätestens hier gilt es abzuwägen zwischen dem Quellen­wert und dem Gestaltwert des Materials und der Substanz des historischen Gartens. Wenn der Quellenwert so hoch ist, dass auf den Ge-

Gleichzeitigkeit ungleichzeitiger Gestaltungs­phasen, Burggarten, Schwerin

staltwert verzichtet werden muss, sollte man sich bis zum natürlichen Abgang des Materials in Geduld üben bzw. lebensverlängernde Maß­nahmen durchführen, die schließlich auch dem Bild zugutekommen. In anderen Fällen kann es dagegen notwendig sein, authentische Reste schon früher zu beseitigen, um eine gewünschte Gestalt wiederzuerlangen und um die lange Ent­wicklungszeit, beispielsweise einer teilweisen Neupflanzung, die das Bild zu sehr verunklären würde, zu vermeiden.

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