Denkmalpflege in Bremen Heft 9
Andreas Dix
Inventarisierung von Kulturlandschaften. Entwicklung und gegenwärtige Trends
Notwendigkeit von Kultur- landschaftsinventaren
Sowohl im Denkmal- wie im Naturschutz haben sich in einem langen historischen Prozess allgemein anerkannte Konventionen zur Erforschung, Analyse und Bewertung der jeweiligen Schutzgegenstände und -ziele herausgebildet. Ab den 1980er-Jahren wurde darüber hinaus immer häufiger die Frage nach dem Umgang mit historisch wertvollen Kulturlandschaften gestellt und der Kulturlandschaftsbegriff überhaupt wieder ernsthaft reflektiert. 1 Zwar gibt es bis heute eine lebhafte Diskussion über den Sinn und die Brauchbarkeit des Kulturlandschaftsbegriffs. Allerdings hat sich doch zumindest in der Geografie eine eher pragmatische Sicht durchgesetzt, die zunächst von einem holistischen Ansatz der Kulturlandschaft ausgeht und von Untersuchung zu Untersuchung fachliche Einschränkungen vornimmt. Außerdem ist zu ergänzen, dass es Ansätze gibt, die nur die vorindustriellen Strukturen der agrarischen Kulturlandschaft als Kulturlandschaft im eigentlichen Sinne gelten lassen wollen. 2
Ähnlich wie bei der städtebaulichen Denkmalpflege war von Beginn an klar, dass sich das Problem der Auswahl und vor allem das der Bewertung schützenswerter Strukturen in großer Schärfe stellen würde, da ja in der Fläche ein viel größerer Veränderungsdruck vorherrscht. Angesichts der Verzahnung abiotischer und bio- tischer Strukturen (wie z. B. bei Landwehren die Kombination der Wälle mit den darauf wachsenden Hecken) ist die Frage von Substanz- und Strukturerhalt eine noch schwierigere als in der Baudenkmalpflege. Trotz einer gerade in Deutschland reichen Tradition der Kulturlandschaftsforschung war von Beginn an klar, dass
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als Grundlage für eine valide Bewertung verlässliche Inventare unabdingbar sind. 3
Informationen zu Kulturlandschaften in anderen Inventarwerken und räumlichen Datenbeständen
Allerdings ist ein Kulturlandschaftskataster leichter gefordert als tatsächlich erstellt oder sogar für eine längere Zeit aktualisiert. Dabei ist die Datenlage zunächst nicht als schlecht zu bezeichnen: Aufgrund des weit gespannten Kulturlandschaftsbegriffes finden sich in einer Vielzahl von Inventaren und Datenbanken wichtige Informationen zur Kulturlandschaftsgeschichte, die zumeist zu anderen Zwecken erhoben werden und deshalb oft nur Teilaspekte abdecken, aber dennoch bei einer Kultur- landschaftsinventarisation konsultiert werden müssen.
Hier lohnt ein näherer Blick auf die relevanten Bereiche des Natur- und Denkmalschutzes. Im Naturschutz gehören dazu Biotopkataster, Geotopkataster 5 , Naturschutzgebietsverzeichnisse 6 und Rote Listen. 7 Informationen aus dem Naturschutz sind deshalb von besonderem Interesse, weil gerade die heute naturschutzfachlich hoch bewerteten Flächen wie Magerrasen, Heide, extensiv genutztes Grünland usw. die Flächen sind, die noch alte Formen der Bewirtschaftung zeigen oder noch am besten auch kulturlandschaftliche Relikte bewahrt haben. Aber natürlich sind hier historische Angaben nur summarisch zu finden, die entsprechenden floristischen und faunistischen Informationen sind von der Nutzungsgeschichte des Gebietes häufig abgekoppelt.