Nr. 9 Bremen, 3. Mai 1934
DerSrmher
Seitschvif» des ns.-Let»eeed«ades, Kreis Srvmen
Gans Schemms Rede
auf der Gautagiing in Slvenvurg am 10. Müri is»».
Ungeistigkeit?
Sie haben sich in den vergangenen Stunden schon eingehend mit Erziehungsfragen im nationalsozialistischen Sinne beschäftigt, und ich glaube, daß meine Aufgabe darin besteht, nun die weltanschaulichen Grundgedanken, nicht die methodischen, rein schulischen und lehrplanmäßigen Fragen, zu erörtern. Sie wissen, daß wir viele Jahre lang als Nationalsozialisten, als Kämpfer für eine neue Weltanschauung, nur mit den Mitteln arbeiteten, die sich wendeten an das Innere, an das seelische, charakterliche und rassische Element im Menschen. Dadurch zeigten wir eine neue Welt, eine Welt, die grundverschieden war von der, die die Menschen bis dorthin gefangen hielt. Ich möchte fast sagen, wir entdeckten ein neues Land. Herr Ministerialrat Haupt aus Berlin sprach kürzlich in München und prägte den glücklichen Ausdruck: Es ist eine neue Entdeckung, eine neue Geistigkeit, die wir fanden, die bisher als Ungeistigkeit bezeichnet wurde. Das Rassische und Seelische, Gefühlsmäßige und Charakterliche wurde als Ungeistigkeit behandelt von denen, die die Wissenschaft pflegten, die auf dem Katheder standen, die, mit einem Wort gesagt, uns als Barbaren bezeichneten. Ich glaube, nicht Unrecht zu haben, wenn ich sage, daß im Grunde genommen diese sogenannte Ungeistigkeit es gewesen ist, die allein schöpferische Kräfte in sich barg, und deshalb müssen wir uns allmählich dazu bequemen, auch in unserer deutschen Jugend diese sogenannte Ungeistigkeit, die im Grunde doch wirklich eine Geistigkeit ist, zu mobilisieren und uns darüber klar zu werden, daß erst dann, wenn diese Kräfte wirklich mobil geworden sind, unser ganzes deutsches Schulleben in neue Bahnen gelenkt werden kann.
Falsches Denken — Umbruch.
Dazu ist erst ein riesenhafter Umbruch erforderlich, ein riesenhafter Umbruch, den wir alle bei uns selbst vornehmen müssen. Ich gestehe offen, auch mir kommt es dann und wann noch vor, daß man in alten Bahnen denkt, man muß sich dauernd selbst korrigieren. Wer durch ein Seminar, eine pädagogische Akademie, durch eine Realschule, ein Gymnasium gegangen ist, der hat das falsche Denken drinnen, dieses Nicht-sich-ständige-Beziehen auf die letzten Werte. Dieses neue Land, diese neue Geistigkeit, Rasse, Seele, Charakter, diese wirklichen Werte sind nun einmal entdeckt, und wir haben den Boden für dieses Land auch erobert. Gewöhnlich ist es so, daß man im Leben erst entdeckte und dann eroberte und daß dann erst geschrieben wurde, wie Amerika auch erst entdeckt, dann erobert wurde, bis zuletzt die kamen, die die Bücher schrieben. So ist es mit zwangsläufiger Logik auch mit dem Nationalsozialismus. Wir dürfen nicht glauben, daß uns nun vom Nationalsozialismus wissenschaftlich und theoretisch schon alles sonnenklar vorliegen kann.
Nationalsozialismus ist Erlebnis.
Vielleicht wird uns das Letzte und Tiefste intellektuell überhaupt nie klar werden, und das braucht es auch gar nicht. Das Wesentliche im Leben ist immer unausgesprochen. Wenn ich Wert und Sinn des Nationalsozialismus als sittliche, charakterliche und seelische Angelegenheit in einen kurzen Vers kleiden soll, dann möchte ich sagen:
Es tut mir leid, daß ich nicht so reden kann, wie ich denke.
Es tut mir leid, daß ich nicht so denken kann, wie ich fühle,
125