zum Schaden der übrigen Juden aus, denn die Nazis verlangten Gegenleistungen. So entwickelten sich Spitzel, die ihre Mitmenschen verrieten und den Nazis ans Messer lieferten, Vorkommnisse, die noch in Theresienstadt fortgesetzt wurden. Aber es war Regel bei den Nazis, ihre willigen Helfer und Helferinnen zuguterletzt nicht zu schonen und sie genauso ins Verderben zu schicken wie diejenigen, gegen die sich ihre verräterische Tätigkeit gerichtet hatte." 51
III. Die Deportation nach Theresienstadt 1942
Im Sommer 1942 war auch für die letzten in Bremen wohnenden und nicht in Mischehe lebenden Juden die Zeit gekommen, so wie für diejenigen, die inzwischen aus näherer und weiterer Umgebung im jüdischen Altersheim in Gröpelingen zusammengezogen worden waren 52 . Für die vorwiegend älteren Menschen war klar: Ihre Reise sollte in eine Art „großes Altersheim" nach Theresienstadt gehen.
Wieder schwanken in der Literatur die Zeitangaben 53 . Doch bietet die Räumung des Altersheimes, die am Vormittag des 23. Juli 1942 stattfand, einen festen Anhaltspunkt 54 . Auf jeden Fall dürfte dieser Transport etwa zu einem Zeitpunkt in Böhmen angekommen sein, als die Bremer Leidensgenossen in Minsk gerade in den Tod geschickt wurden.
Einige wenige kamen 1945 aus Theresienstadt zurück. Von ihnen erfuhr Markreich über das Lagerleben: „Drei lange Jahre haben diese Deportierten, soweit sie nicht inzwischen durch Leiden und Entbehrungen zugrunde gegangen waren, in dem böhmischen Festungsgelände aushalten müssen, bis am 11. 7. 1945 die russischen Truppen eintrafen und die übriggebliebenen befreiten 55 . Die Lagerleitung war überaus rücksichtslos gegen die Insassen, die Ernährung war völlig ungenügend, Tag für Tag ereigneten sich ca. 150 Todesfälle durch Verhungern und Krankheiten, und obwohl eine Jüdische
51 Markreich, S. 284 f. Solche schweren Vorwürfe wurden auch von anderer Seite in Bremen sofort nach dem Kriege und noch 1950 z. B. gegen ehemalige Gemeindevertreter erhoben. Eingeleitete Verfahren wurden jedoch eingestellt.
52 Vgl. S. 175.
53 Markreich, S. 285, gibt den 24. 7. 1942 für die Abfahrt des Transportes an, Peters, S. 232, den 31. 8. 1942.
54 Aus einem behördlichen Schriftwechsel über die Nutzung des jüdischen Altersheimes zwischen dem 21. 7. und 4. 8. 1942 (Qu. 84) geht hervor, „daß das jüdische Altersheim am 23. 7. 1942 morgens von den Juden geräumt wurde", bzw. das Altersheim sei „nach der erfolgten Evakuierung der dort untergebrachten Juden" mit Wirkung vom 23. 7. 1942 als Behördenunterkunft sichergestellt.
55 Wie Markreich zu diesem Datum kommt, ist unklar. Nach Adler, S. 213, wurde das Kommando des Lagers am 10. 5. 1945 einem russischen Offizier übergeben, nachdem die Russen bereits am 7. 5. 1945 Einzug gehalten hatten. Die Rückführung der Juden in ihre Heimatorte war sehr langwierig und zog sich bis in den August 1945 hin.
234