ten." 40 Doch sie überlebten den Winter. Erst mit der „Aktion Reinhard" nach dem Tode Heydrichs war auch ihr Schicksal besiegelt. „In Minsk-Stadt sind am 28. und 29. Juli 1942 rd. 10 000 Juden liquidiert worden, davon 6500 russische Juden — überwiegend Alte, Frauen und Kinder. Der Rest bestand aus nicht einsatzfähigen Juden, die überwiegend aus Wien, Brünn, Bremen und Berlin im November vorigen Jahres nach Minsk auf Befehl des Führers geschickt worden sind." 41
3. Nach der Deportation — Zurückgebliebenes und Zurückgebliebene
Gleich nach der Abreise der Juden ging man in Bremen davon aus, daß sie nicht zurückkehren würden, und machte sich an die Verwertung des von ihnen zurückgelassenen Eigentums.
Was mit ihren Wohnungen geschehen sollte, war ja bereits Ende Oktober festgelegt worden. Vier Tage vor ihrem Abtransport war geregelt, daß sämtliche „Judenwohnungen" zunächst einmal für das Reich sichergestellt und bis zu ihrer Verwendung geschlossen werden sollten 42 . Verschiedene Stellen bekundeten sofort, d. h. also noch vor der Evakuierung, ihr Interesse 43 .
Die Stadt Bremen selbst meldete am Tage des Abtransportes gegenüber dem Reich ihre Ansprüche auf die Wohnungen an, die nun von der Gestapo mit Möbeln und verbliebenem Hab und Gut beschlagnahmt und versiegelt worden waren. „Betr. Wohnungen und Möbel der nach dem Osten evakuierten Juden [.. .] Ich bitte, [.. .] daß diese Wohnungen und Möbel den unteren Verwaltungsbehörden ausschließlich für die Versorgung der durch Fliegerangriffe obdachlos gewordenen Volksgenossen [...] zur Verfügung gestellt werden, daß es jedoch [...] freigestellt bleibt, solche Wohnungen und Einrichtungsgegenstände, die sich für die Obdachlosen nicht eignen, zur anderweitigen Verwendung freizugeben." 44 Doch die Verwertung freigewordener Wohnungen und Häuser behielt sich der Oberfinanzpräsident
40 Reitlinger, S. 252.
41 Wilhelm Kube, Generalkommissar für Weißruthenien und sog. „Judenschlächter von Minsk", in einem Bericht vom 31. 7. 1942 an den Reichskommissar für das Ostland, zit. nach Hans Günther Adler, wie Anm. 39, Anhang S. 742, Dokument Nr. 314; vgl. auch Markreich, S. 282.
42 Aktenvermerk vom 14.11.1941: Mitteilung der Gestapo auf telefonische Anfrage des Sen. für die innere Verwaltung (Qu. 77).
43 So der Sen. für die innere Verwaltung für die Wohnungsfürsorgestelle des Wohlfahrtsamtes am 14. 11. 1941 zwecks „Ausmerzung unwürdiger Wohnverhältnisse" und das Staatliche Personalamt zwischen dem 17. und 19. 11. 1941 für Beamte, die mit Reichsverteidigungsaufgaben nach Bremen geschickt wurden, und für 30 Beamte und Angestellte der Gestapo (ebd.).
44 Schreiben des Reg. Bgm. vom 18. 11. 1941 an den Reichsverteidigungskommissar im Wehrkreis X (ebd.).
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