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Die Bremer Juden unter dem Nationalsozialismus / Regina Bruss
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Waren verladen wurden 42 . Wertgegenstände wurden unter Aufsicht listen­mäßig erfaßt 43 , Gold- und Silbersachen wurden zur Dienststelle der SA- Gruppe Nordsee an der Hollerallee geschafft. Die Möbelwagen blieben vor­läufig auf den Höfen der Speditionen stehen.

SA-Wachen gegen Plünderung, organisierte Sicherstellung fremden Gutes das klingt nach Mäßigung, Steuerung, Disziplinierung. In der Tat: Alle Anzeichen sprechen dafür, daß man sich an offizieller Stelle noch wäh­rend der nächtlichen Aktion über die Gefahr von unkontrollierbaren Aus­schreitungen klar wurde. So griff die Ordnungspolizei von Berlin aus ein, indem sie von ihren untergeordneten Dienststellen forderte, sich mit den zuständigen lokalen Polizei- und Parteidienststellen in Verbindung zu setzen, um überhaupt über den Ort von Demonstrationen und Aktionen informiert zu sein. Sodann sollte nurmit schwachen Kräften in Zivil, um eventuelle Plünderungen zu verhindern", angetreten, auf jeden Fall aber Brandlegung verhindert werden.Zerstörte offene Läden, Wohnungen, Synagogen [. . .] sind zu versiegeln, zu bewachen, vor Plünderungen zu schützen." 44 Und Stunden später:Sobald Gauleitungen Weisung zur Ein­stellung aller Aktionen gegen jüdischen Besitz erteilt haben, Polizei voll gemeinsam mit SS zur Verhinderung weiterer Aktionen einsetzen." 45

Doch es dauerte naturgemäß eine Weile, ehe solche Mahnungen die unter­sten Stellen erreicht hatten. In Bremen entsann man sich sogar erst am Nachmittag des 10. November eines weiteren zerstörungswerten Objektes in Bremen: des jüdischen Friedhofs in Hastedt. Noch einmal tobte man sich aus: DieFriedhofshalle [wurde] gänzlich zerstört, die Beerdigungsgeräte [. . .] zerschlagen" 46 . Obendrein wurden viele Grabanlagen beschädigt oder ganz verwüstet.

2. Zerstörung der Synagoge in Aumund

Auch die Synagoge in Aumund 47 wurde am frühen Nachmittag des 10. No­vember 1938 niedergebrannt 48 , und zwar nicht von ortsansässigen, sondern von Bremer SA-Leuten. Diese hatten unter Leitung ihres SA-Vorgesetzten nach dem Empfang des Befehls aus München nicht nur in der Nacht in Bremen zerstörerische Aktivität und Energie entwickelt, sondern von vorn-

42 So z. B. bei dem GeschäftManne's Bijouterie", Obernstr. 53 (Schmuck, Leder­waren, Geschenkartikel) (Qu. 100).

43 So bei der Räumung des Juweliergeschäftes J. Fischbein jun. Nachf., Obern­straße 26.

44 Funkmitteilung des Chefs der Ordnungspolizei vom 10. 11. 1938, in Bremen auf­genommen 8.25 Uhr (Qu. 37 [1]).

45 Funkmitteilung, aufgenommen in Bremen 21.02 Uhr (ebd.).

46 Markreich, S. 307 ff., Zitat nach Aber (vgl. Anm. 31).

47 Die seinerzeit preußische Gemeinde Aumund wurde am 1. 11. 1939 in die Stadt Bremen eingegliedert und bildet heute einen Ortsteil (Aumund-Hammersbeck) des Stadtbezirks Bremen-Nord.

48 Qu. 37 [5].

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