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Die Bremer Juden unter dem Nationalsozialismus / Regina Bruss
Entstehung
Seite
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E. DieKristallnacht" vom 9./10. November 1938

Es ist unbestritten, daß die Ausschreitungen, die der Nacht vom 9. zum 10. November 1938 wegen der zersplitterten Glasscheiben den berühmt­berüchtigten NamenKristallnacht" eintrugen, ein wesentlicher Schritt in der Eskalation von der Diffamierung zur Vernichtung waren. Das Potential an Bösem, an ungezügeltem Austoben gegen eine Minderheit, das auf diese Weise zwar nicht langfristig geplant, aber doch von staatlicher Seite gesteuert und gutgeheißen frei wurde, erleichterte den Weg für die legalen Maßnahmen zu einer Ausschaltung der Juden aus allen Bereichen des öffentlichen, kulturellen und wirtschaftlichen Lebens.

Das Phänomen derKristallnacht" hat eher als andere Erscheinungs­formen derJudenverfolgung" Untersuchungen und Darstellungen erfah­ren, weil sie in ihrem Ablauf spektakulär war und eine Unmenge konkreter Zeugnisse hinterließ. Die Geschehnisse dieser Nacht wurden fast zu einem Synonym für Judenverfolgung. Große Teile der Bevölkerung sind noch heute der Meinung, daß eine Sonderbehandlung der Juden erst mit dieser Nacht begann. Dem war nicht so, aber erst von da an begannen schließlich auch gutgläubige und optimistische Juden ihre Bedrohung für die Zukunft zu sehen.

Inzwischen gibt es eine fast unübersehbare Fülle von Publikationen zur Kristallnacht", die anläßlich des 40. Jahrestages am 9./10. November 1978 gewissermaßen zu einer Flut anschwoll. Umfangreiche Werke und schmale Broschüren, überregionale Wochenzeitungen und lokale Blätter beschäftig­ten sich mit diesem Thema. Ausgebreitet wurden die allgemeinen Hinter­gründe, Ursachen, Anlässe und schließlich der Verlauf, der bei Anlegen eines groben Rasters in den meisten Städten etwa der gleiche war, soweit sich die Akteure an die Anordnungen hielten. Auf lokaler Ebene ergaben sich bei dieserAktion" hier und da abweichende Details, die es im nach­hinein besser gestatten, das Maß der Gesetzlosigkeit und Brutalität zu erfassen als mit einer ausführlichen Beschreibung des Spektakels brennen­der Synagogen, glasübersäter Bürgersteige und demolierter Wohnungs- und Geschäftseinrichtungen.

Auch für Bremen existieren bereits etliche Schilderungen der Vorgänge jener Nacht 1 . Da sie aber auf unterschiedlicher Qualität und Quantität authentischen Quellenmaterials beruhen, sollen hier die Hauptlinien noch­mals nachgezeichnet und Ergänzungen angebracht werden, soweit sie aufgrund jüngster Nachforschungen möglich sind.

1 Markreich, S. 266 ff.; Schütte, S. 17 ff.; Dziomba, S. 28 ff.; Lattka, S. 20 ff. ; zuletzt Regina Bruss, Die Judenverfolgung am 9./10. November 1938, hrsg. vom Senator für Bildung, Bremen 1978. Was die BezeichnungKristallnacht" angeht, so er­scheint sie realitätsbezogener und eindeutiger als der immer wieder falsch be­nutzte BegriffPogromnacht" oder die pauschalen AusdrückeJudenaktion" undJudenmaßnahmen".

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