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Die Bremer Juden unter dem Nationalsozialismus / Regina Bruss
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vember 1935 68 führte die BezeichnungenMischling ersten Grades" (zwei jüdische Großeltern) undMischling zweiten Grades" (ein jüdischer Groß­elternteil) ein; eine Persondeutschen oder artverwandten Blutes" sollte im Geschäftsverkehr fortanDeutschblütiger" heißen.

Das Leben der Mischlinge man sprach auch vonHalbjuden" und Vierteljuden" schwankte zwischen geduldet und unerwünscht in der deutschen Volksgemeinschaft". Da sie das Reichsbürgerrecht besaßen, waren sie von einigen diskriminierenden Maßnahmen (u. a. Tragen des Judensterns) und der Deportation ausgenommen, aber mit der Verschär­fung der Judenpolitik nach derKristallnacht" wurden etliche ihrer Privile­gien aufgehoben. Ihre Rechtsstellung wurde bis Kriegsende im allgemeinen gewahrt, obwohl 1942 Bestrebungen vorhanden waren, sie in der Frage der Endlösung" den Juden gleichzustellen 67 .

Es kann hier nicht der Ort sein, vor dem Hintergrund der gesetzlichen Ausnahmeregelungen das besondere Schicksal der Mischlinge in Bremen zu untersuchen. Dies grenzt sich auch in vielen Bereichen zumindest nicht ein­deutig vom Schicksalreiner Juden" ab: Ungerechtigkeiten und mensch­liche Härten mußten sie genauso hinnehmen.

Für den bremischen Bezug sind zwei Dinge aufschlußreich: Die Vorsicht und Duldung, mit der man ihnen aus wirtschaftlichen und anfangs aus rasse­politischen Gründen damals hob man beim Halbjuden noch den deutsch- blutigen Anteil hervor entgegentrat, und die Rücksichtslosigkeit und Unnachgiebigkeit, mit der man später eine unerwünschte Integrierung in diedeutschblütige Volksgemeinschaft" verhinderte und damit persönliche Lebenspläne zerstörte.

1. Geduldet als Wirtschaltspartner

So wie der Übereifer nationalsozialistisch eingestellter Bürger und von der neuen Weltanschauung durchdrungener Institutionen auf allen Gebieten durchschlug, so war es auch auf wirtschaftlichem Sektor absehbar gewesen, daß man nach den Restriktionen gegenVolljuden" bald ebenso gegen die Mischlinge vorgehen würde. Hinausdrängung aus wirtschaftlichen Positi­onen, Vernichtung der beruflichen Existenz drohten auch ihnen. Doch Reichs­wirtschaftsministerium und NSDAP bremsten hier allzu großen Tatendrang. Mit dem strikten Verweis auf die Definition in denNürnberger Gesetzen" wurde auch eine Anfrage der Handelskammer aus dem Jahre 1936 beant­wortet: Ein Unternehmen, dessen Teilhaber ein jüdischer Mischling sei, habe als nichtjüdisch zu gelten, da er in der Wirtschaftdeutschblütigen Personen

66 MBliV S. 1429.

67 Die Einlieferung in das Konzentrationslager Farge bei Bremen zusammen mit weiteren jüdischen Mischlingen im Oktober 1944 und die anschließenden Auf­enthalte in anderen Arbeitslagern beschreibt aus eigenem Erleben Wilhelm Nolting-Hauff,Imi's", Chronik einer Verbannung, Bremen 1946.

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