nach berühmten Juden aus der deutschen Geistes- und Kulturgeschichte, aus Politik und Gesellschaft als nach den aus dem Alten Testament überlieferten Erzengeln Raphael, Michael und Uriel, für die eine Sippenforschung wohl nicht mehr nötig war 38 . Dennoch fiel einer Überprüfung der bremischen Straßennamen, die die Berliner Verordnung offenbar veranlaßte, im Oktober auch noch die Emanuelstraße zum Opfer 39 .
3. Unerwünscht als Mitschüler
Kind zu sein in schlimmen Zeiten ist nie so bitter gewesen wie für Erwachsene. Kinder leben in der Gegenwart, freuen sich über Kleinigkeiten, sind zufrieden, wenn ihre Bedürfnisse gestillt werden und — die Erwachsenen tun normalerweise alles, um sie von Bedrückendem abzuschirmen. Not und Kummer werden vor ihnen verborgen. Ihr natürlicher Optimismus schützt sie vor Gedanken der Verzweiflung und der Resignation.
Auch für jüdische Kinder war es damals gewiß leichter als für jüdische Erwachsene. Doch kamen hier Begegnungen hinzu, die sie in ihrer Ahnungs- losigkeit trafen, sie verletzten und verunsicherten. Auch sie bekamen bald zu spüren, daß sie unerwünscht waren. Der Platz, an dem dies in erster Linie geschehen konnte, war die Schule, und zwar die öffentliche Schule 40 .
Die Schullaufbahn eines jüdischen Schülers in Bremen ist erst kürzlich in detaillierter und einfühlsamer Weise geschildert worden 41 . Wenn dies auch für die Zeit kurz vor dem Ersten Weltkrieg galt, dürfte es doch kein besseres Zeugnis über die Schulzeit eines Bremer Juden geben als dieses, das sich auf die autobiographischen Aufzeichnungen eines für den christlich-jüdischen Gegensatz stark sensibilisierten Menschen stützt. Ein wesentlicher Punkt in Erinnerungen an die Schulzeit ist die Atmosphäre, die in der Schule erlebt wurde. Und hier stimmen auch Augenzeugen aus späterer Zeit überein 42 :
38 Das „Verzeichnis der jüdischen Vornamen", das ab 18. 8. 1938 per Erlaß des RMdl gültig war (RMBliV S. 1348), enthält von diesen nur den Namen Uriel.
39 Bremer Zeitung, 15. 10. 1938. Die Emanuelstraße im Stadtteil Schwachhausen wurde in Eupener Straße umbenannt.
40 Gemeint sind allgemeine öffentliche Schulen. Eine öffentliche jüdische Schule gab es in Bremen nicht.
41 Alfred Dreyer, Josef Kastein, ein jüdischer Schriftsteller (1890—1946). Die Bremer Jahre, in: Brem. Jb., Bd. 58, 1980, S. 101 ff.
42 Ähnliches berichteten d. Verf. mündlich der Rechtsanwalt Dr. Lehmann aus seiner Schulzeit am Alten Gymnasium bis 1920 und Siegbert Cohn* aus seiner Schulzeit am Realgymnasium an der Kaiser-Friedrich-Straße (heute Gymnasium an der Hermann-Böse-Straße) bis zu seinem Ausscheiden Ende 1935. Eine kleine Geschichte beleuchtet das: 1934 — Cohn war 13 Jahre alt — wurde ein Klassenausflug per Fahrrad in der Uniform der HJ angesetzt. Er wollte nicht mitfahren, da er als Mitglied des Jüdischen Pfadfinderbundes nur dessen Uniform trug. Der Klassenlehrer ließ ihn daher mit verständnisvollen Worten in dieser Uniform am Ausflug teilnehmen. Cohn, 1936 nach Palästina ausgewandert, unterhielt in der Nachkriegszeit herzliche Beziehungen zu seinem ehemaligen Lehrer bis zu
136