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Die Bremer Juden unter dem Nationalsozialismus / Regina Bruss
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Daß es dem Senator, dessen gemäßigte Haltung zur Judenfrage schon erwähnt wurde 12 , noch um etwas anderes ging, zeigt sein weiteres Vor­gehen: Als im Dezember 1935 die Erklärungen des Reichsinnen- und des Reichswirtschaftsministers zu nicht willkommenen Einzelaktionen gegen Juden auf den Tisch kamen, nutzte er nochmals die Gelegenheit, eine klare Entscheidung in derFrage der Beseitigung wenigstens der judenfeindlichen Aufschriften auf den ,Stürmer'-Kästen" herbeizuführen 13 . Seinen praktischen Vorschlag, die Kästen neu zu streichen und damit unauffällig die judenfeind­lichen Aufschriften zu beseitigen, gab man an die Kreisleitung der NSDAP weiter. Den Mut zu einer grundlegenden Entscheidung hatte man nicht, son­dern wollte eineVeranlassung der Reichsregierung" abwarten. Da diese nicht kam, konnte derStürmer" ungehindert weiter sein Gift verspritzen und seine Leser infizieren.

II.Juden unerwünscht"

Man ist nicht jahrzehnte- oder jahrelang Mitbewohner einer Stadt­gemeinde, einer Straße, eines Hauses, ohne sich zu den vielfältigsten Gele­genheiten des Alltags oder zu besonderen Anlässen des Lebens zu begegnen, Worte zu wechseln, gemeinsam zu arbeiten oder in der Freizeit aufeinander­zutreffen.

Gegen diese Kontakte mit Juden wurden spätestens ab 1935 von verschie­denen Seiten Hindernisse aufgebaut, die zu überwinden zunehmend schwie­riger wurde. Dabei ergänzten sich gegenseitig die Emotionen derVolks­genossen" und die Reglementierungen der Behörden.

1. Unerwünscht als Mitbenutzer öffentlicher Einrichtungen

Schon kurz nach denNürnberger Gesetzen" wurde durch das Ansinnen der NSDAP-Kreisleitung, Juden das Baden in öffentlichen Badeanstalten zu verbieten 14 , ein Problem für die Senatoren aufgeworfen, das sie in Kenntnis seiner grundsätzlichen Bedeutung zur Klärung an das Reichsinnenministe­rium weiterleiteten 15 . Doch auch dort hielt man die Zeit noch nicht reif für eine solche Entscheidung, die als Präzedenzfall eine Lawine ähnlicher Wünsche nach sich ziehen mußte.

In Bremen jedoch häuften sich gegen Ende des Jahres 1936 die Klagen über Juden in der Badeanstalt 16 . Die Reaktionen reichten vonEs ist mir

12 Vgl. S. 34.

13 Senatorenbesprechung vom 4. 12. 1935 (Qu. 1). Die Aufschriften lauteten:Die Juden sind unser Unglück" undWer beim Juden kauft, ist ein Volksverräter". Nach Hahn, S. 146, gelten Zeugnisse des Widerstandes gegen die Machen­schaften desStürmers" als sehr selten.

14 Qu. 26.

15 Senatorenbesprechung vom 21. 11. 1935 (Qu. 1).

16 Es handelte sich hier um das Hansa-Bad, ein Hallenschwimmbad, das damals einzige dieser Art außer dem Breitenweg-Bad gegenüber dem Hauptbahnhof.

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