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Die Bremer Juden unter dem Nationalsozialismus / Regina Bruss
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genommen worden", und:Irgendwelche Schwierigkeiten bei der Beschäfti­gung dieser [. ..] Juden sind bislang nicht entstanden." 25

Doch nicht überall sah es so positiv aus. Besondere Probleme konnte es unterRassegesichtspunkten" naturgemäß dort geben, wo räumliche Nähe und eine gewisse Intimität vorgegeben waren: im Krankenhaus. In Bremen scheint jedoch das Krankenhauspersonal seine pflegerischen und helfenden Aufgaben allen Patienten gegenüber gleichmäßig versehen und sich weniger um die Antipathien arischer Patienten gegen jüdische gekümmert zu haben. So hatten sich ein Parteifunktionär und ein SA-Mann im Krankenhaus gewei­gert,mit Juden zusammen auf einem Zimmer zu liegen". Offensichtlich hatten sie sich im Krankenhaus nicht durchsetzen können und mußten sich nun beschweren, daß ihre Meinungen zu wenig beachtet worden seien 26 . Im Falle von Krankenhausaufenthalten wären zwar jüdische Kranken­pfleger eine echte Hilfe gewesen, doch gab es in Bremen zu wenig Juden, als daß eine Einstellung solcher Pfleger an öffentlichen Krankenhäusern gerechtfertigt gewesen wäre 27 .

2. Unerwünscht als öiientlich Geehrte

In dem Bestreben, alles Nichtarische von Arischem rigoros zu trennen, das Jüdische aus der Öffentlichkeit zu verbannen, verfiel das Reichsministe­rium für Volksaufklärung und Propaganda kurz nach dem Erlaß derNürn­berger Gesetze" auf das Verbot,die Namen gefallener Juden auf Ehren­tafeln und Denkmälern für die Gefallenen des Weltkrieges aufzuführen" 28 . Das war ein Affront, der offensichtlich im Ausland mit Empörung auf­genommen 29 auch den Senat in Verlegenheit brachte. Man stellte fest, daß es nicht möglich sei, die Namen etwaiger jüdischer Gefallener von dem bremischen Gefallenenehrenmal zu entfernen" 30 . Diese Entscheidung deutet auf Schwierigkeiten technischer und ästhetischer Art. Erst vier Jahre später kamen praktikablere Vorschriften aus Berlin. Danach sollten die Namen von gefallenen Juden auf bereits bestehenden Denkmälern und Ehrentafeln nicht entfernt, aber bei neuen gar nicht erst aufgenommen werden 31 .

25 Schreiben der Behörde für Wohlfahrt und Versidierungswesen vom 21.2. 1938 (ebd.).

26 Stimmungsber. der Kreispropagandaltg. Monat Jan. 1939, Nr. 15/37, (Qu. 65 [26]).

27 Seit derErsten Verordnung über die berufsmäßige Ausübung der Kranken­pflege und die Errichtung von Krankenpflegeschulen" vom 28. 9. 1938 (RGBl I S. 1310) durften Juden Krankenpflege nur an Juden oder in jüdischen Anstalten ausüben.

28 Schreiben der Landesstelle Weser-Ems des Reichsmin. für Volksaufklärung und Propaganda vom 21. 10. 1935 an die Landesregierung, Kreisleiter der NSDAP usw. (Qu. 14).

29 Bremer Zeitung, 1. 11. 1935.

30 Senatorenbesprechung vom 23. 10. 1935 (Qu. 1).

31 Schreiben des Reichsmin. für Wissenschaft, Erziehung und Volksbildung vom 14.2. 1939 (Qu. 14). Es hieß dort,der Führer und Reichskanzler habe die Frage

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