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Die Bremer Juden unter dem Nationalsozialismus / Regina Bruss
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Im Ubereifer der Boykottvorbereitungen waren aber auch Fehler unter­laufen. So hatte man z. B. den Namen eines Geschäftsinhabers in der Zeitung veröffentlicht, der angeblich jüdisch aussah, aber nachweislich arischer Her­kunft war und jetzt Schadenersatz für die Boykottierung verlangte 150 . Im umgekehrten Falle waren jüdische Geschäfte übersehen worden. Da taten sich bald eifrige Nachbarn oder mißgünstige Konkurrenten mit der Erstattung einer Anzeige hervor 151 .

Trotz der ursprünglichen Absicht, den Boykott am Mittwoch, dem 5. April, zu wiederholen, hatte der Reichspropagandaminister schon seit dem 31. März aus taktischen Gründen durchblicken lassen, die Aktion werde nicht wieder aufgenommen,falls bis dahin die Greuelhetze im Ausland absolut ein­gestellt ist" 152 . Tatsächlich waren die scharfen Reaktionen des Auslandes auf die März-Ausschreitungen und der Boykott deutscher Waren nicht das, was die junge Regierung politisch und der Staatshaushalt wirtschaftlich gebrau­chen konnten. Man kam um einen Abbruch des Boykotts nicht herum. Die Begründung lautete:Die Reichsregierung hat mit Befriedigung zur Kenntnis genommen, daß der Abwehrboykott gegen die deutschfeindliche Hetze seine Wirkung im Ausland nicht verfehlt hat." 153 Welcher Art diese Wirkungen tatsächlich waren, läßt sich dank der weltweiten Handelsbeziehungen Bremens aufzeigen.

Doch zuvor sollte an dieser Stelle noch die Frage angeknüpft werden, ob zu der Zeit bereits konkrete Pläne zu einer gänzlichen Verdrängung der Juden aus der deutschen Wirtschaft bestanden. Dagegen sprechen zwei Dinge 154 . Zum einen wurde das Reichswirtschaftsministerium nachweislich nicht an Planung und Durchführung des Boykotts beteiligt, zum anderen war die wirtschaftliche Lage so schlecht, daß eine sofortige Ausschaltung der vielerorts einflußreichen Juden unübersehbare Folgen für die in- und aus­ländischen Wirtschaftsverflechtungen gehabt hätte. Der offizielle Antisemi­tismus dieser Tage beschränkte sich darauf, die Juden aus dem öffentlichen Dienst zu entfernen und in den freien Berufen zurückzudrängen.

d) Reaktionen im Ausland und ihre Auswirkungen

Schon zehn Tage nach dem Boykott machte eine Bremer Reederei die Han­delskammer auf ihre Schwierigkeiten bei Verladung von Fracht in östlichen Staaten aufmerksam. Es stehe fest, daß die dortigen Juden deutsche Schiffe boykottierten, bestellte Ladungen nicht abnähmen und Andershandelnde in der jüdischen Presse scharf angriffen 155 . Nur wenig später meldeten die

150 Lothar Dziomba, Das Schicksal der Bremer Juden im Dritten Reich, Examens­arbeit Bremen 1963, S. 18.

151 Anzeigen vom 1.4.1933 gegen Bremer Filialen jüdischer Firmen aus Berlin und Hamburg (Qu. 95).

152 Genschel, S. 51.

153 Ebd., S. 54.

154 Ebd., S. 55.

155 Schreiben vom 10. 4. 1933 (Qu. 119).

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