22. November 1918.
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Schließlich gelangt ein Antrag zur Annahme, daß die beschlossen werden soll. Die vier Antragsteller werden
drei sozialdemokratischen Richtungen — Mehrheitspartei, als Kommission eingesetzt, die die Sache in die Wege leiten
Unabhängige und Linksradikale — eine gemeinsame soll. Henke gibt seiner Meinung Ausdruck, daß dabei
Versammlung abhalten sollen, in der die Frage eines wohl kaum viel herauskommen würde,
gemeinsamen Parteiorgans besprochen und darüber Schluß der Sitzung 111/4 Uhr.
4. Sitzung Sonntag, üen 24. November 1918
(A. und S.-Wäte Morörvestdeutschkands.)
Aus Anlaß der nach Bremen einberufenen Tagung der A.- und S.-Räte Nordwestdeutschlands hatte der Bremer Svldatenrat für 9 Uhr morgens auf dem Domshof einen großen
Garnison»Appell
angeordnet, von dem man natürlich auch wieder eine politische Kundgebung erwarten durfte. Der Domshof lag um 9 Uhr noch leer da, und nur an der Rathausecke bildete sich schon eine kleine Ansammlung von Feldgrau und Zivil. Bald darauf aber rückte von der Wachtstraße her die Garnison an, geführt vom Soldatenrat. Zuerst kamen kompagnieweise die 75 er, an der Spitze jeder Abteilung eine Gruppe mit Gewehren, sonst unbewaffnet; am Ende des Zuges die Urlauber und die Marineabteilungen, diese sämtlich mit Gewehren. Der Aufmarsch erfolgte nun nicht auf dem Domshof, sondern auf dem Marktplatz, mit der Front nach dem Rathaus. Als er beendet war, zeigte sich der Platz nur gut zur Hälfte gefüllt, denn auch die Zahl der Zuschauer blieb eine auffallend geringe. Die Kapelle spielte einen Marsch, und auf dem rechten Söller des Rathauses erschienen zwei Mitglieder des Soldatenrats, von denen nach einem Trompetensignal Herr Willems, weithin verständlich, eine Ansprache hielt. Er sagte darin das Folgende:
Seit einigen Wochen befindet sich das zerbrochene Staatssteuer in den Händen der Arbeiter und Soldaten. Daß es zerbrochen, ist nicht die Schuld des Proletariats und der Soldaten, sie haben lange genug darauf hingewiesen, daß es so wie früher nicht weiter gehen konnte. Unser Handeln wird uns diktiert von der Forderung: Frieden um jeden Preis! Ihn zu erstreben, verlangt die Pflicht gegen die Kameraden au der Front, verlangt aber auch die Rücksicht auf die vom Hungertode bedrohten Volksgenossen. Wir erklären hiermit feierlich, daß wir jede nationale Idee zurückstellen zum Wohle des Volkes und daß wir uns verpflichten, darauf hinzuwirken, daß alles sich so gestaltet, wie es vom Volke so lange gewünscht worden ist. Wir können die Flinte nicht mehr in die Hand nehmen, aber wir werden Mittel und Wege finden,
mit der Entente, die anscheinend den Volkswillen nicht respektieren will, dennoch ins Einvernehmen zu kommen. — Alle unsere grimmigen politischen Gegner erklären uns jetzt plötzlich ihre Ergebenheit. Das mahnt uns zur Vorsicht. Wir müssen befürchten, daß ihr Verhalten nur ein diplomatischer Kniff ist, den sie anwenden, um sich wieder in den Besitz der verlorenen Macht zu setzen. Wir erklären demgegenüber, daß wir uns diese Macht nicht wieder nehmen lassen werden. — Auch zwischen den Arbeitern und Soldaten besteht ein gewisses Mißtrauen. Man bezweifelt es vielfach, daß die Soldaten das Interesse der Arbeiter genügend vertreten würden.
Kameraden! Was hier steht, das ist die rote Garde! Daher ist es nicht notwendig, auch die Kollegen in der Arbeitshose zu bewaffnen. (Zustimmung.) Und wenn unsere Gegner jetzt darauf aus sind, bei unseren heimkehrenden Kameraden Mißtrauen gegen uns zu erwecken und eine Gegnerschaft zwischen ihnen und uns herbeizuführen, so erklären wir hiermit, daß unser ganzes Handeln nur von dem Wunsche diktiert gewesen ist, die Kameraden draußen vom Tode zu erretten. Der Wunsch der Reaktionäre, daß es zum Kriege in den Gassen kommen soll, wird nicht in Erfüllung gehen. Heute liegt die politische Macht in den Händen vernünftiger Leute, die dafür sorgen werden, daß der Frieden mit den Ententestaaten zustande kommt, auch wenn sie dabei in eine ähnliche Lage geraten sollten, wie seiner Zeit Trotzki in Rußland. Auf den Gebeinen der Gefallenen wollen wir den Lebenden ein neues glückliches Dasein errichten, und ehren wollen wir alle diejenigen, die das Volk vor dem Untergänge zu bewahren suchen.
Wieder und wieder erschallt jetzt der Ruf nach der Nationalversammlung. Ausgestoßen wird er vornehmlich von denjenigen, die fünf Jahre lang die Diktatur des Schwertes ausgeübt haben. Jeder wird begreifen, daß die jetzige Diktatur der Arbeiter und Soldaten jedenfalls eine Zeitlang ausrecht erhalten werden muß. (Vereinzelte Zustimmung, lebhafter Widerspruch. Zurufe: Keine Diktatur! Nationalversammlung!) Bald nach der Sicherung der Errungen-