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Band 77 (1998)
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»Die Glocke« am Bremer St. Petri Dom

Von Marianne Schwebel Zur Erinnerung an Lieselotte Klink

Im Schatten des St. Petri Domes zu Bremen fristet ein Gebäude sein Dasein - vielen Bremern unbekannt -, welches im Jahre 1857 seinen Namen »Die Glocke« an den heute weithin bekannten Konzertsaal des ehemaligen Künst­ler-Vereins abgegeben hat. Es ist ein Rundbau in achteckiger Form, der seit dem Mittelalter »Die Glocke« hieß und heute »Oktogon« genannt wird. Seit der Wiedereröffnung dieses Konzertsaales nach seiner Renovierung ist von verschiedenen Seiten die Frage nach dem Namen und seiner Bedeutung auf­geworfen worden, ohne jedoch zu einem konkreten Ergebnis zu kommen. Im Folgenden soll nun versucht werden, dem ursprünglichen Zweck dieses Ok- togons näher zu kommen.

Die älteste bisher bekannte Erwähnung der »Glocke« stammt vom 29. Mai 1489, als der Dompropst und spätere Erzbischof Johann Rode (1497-1511) zu­sammen mit den 11 anderen Domherren Gerhard Oldewagen (Dekan), Fried­rich Schulten (Senior), Johann Baileer, Johann Stedingk, Luder de Bramstede, Conrad de Hörne, Bernhard de Luneberge, Otto Doringeloe, Albert Kreygen, Conrad Clencken und Luder Rode eine Urkunde auf der »Glocke« (in Campana) ausstellte, daß die bremische Kirche eine Domherrenstelle und Präbende für einen Doktor der Theologie habe 1 . Ein zweites Mal wird die »Glocke« ein Jahr später (1490) genannt, als die Stände - d. h. das Domkapitel, Prälaten und Mannschaft sowie die vier Städte Bremen, Hamburg, Lübeck und Lüneburg - sich hiervor versammelten, um mit dem neuen Stiftsamtmann Garlef Schulte ein Bündnis gegen mutmaßliche Angreifer, insbesondere gegen den Grafen von Oldenburg, zu schließen 2 . Wieder ein Jahr später beurkundete Johann Rode als Erzbischof auf der »Glocke« am 5. Februar 1500 3 . Hier wurden Bera­tungen des Domkapitels und Hauptversammlungen geführt 4 . Duntze nennt »die Glocke« in seiner Geschichte der freien Stadt Bremen »ein besonders merkwürdiges Local« und meint, es wäre wegen seiner Form so bezeichnet worden 5 . Als älteste Ansicht findet man das Gebäude auf dem Plan der Stadt Bremen von 1638/1640 von Matthaeus Merian 6 sowie auf dem Stadtplan von

1 StAB 1-PK 1489 Mai 29.

2 Adolf E. Hofmeister, Der werdende Territorialstaat der Erzbischofe von Bremen (1236-1511), in: Geschichte des Landes zwischen Elbe und Weser, Bd. II Mittel­alter, Stade 1995, S. 225.

3 StAB Trese 46.

4 Johann Hermann Duntze, Geschichte der freien Stadt Bremen, Bd. 2, Bremen 1846, S. 240.

5 Ebd., Bd. 3, Bremen 1848, S. 226-227.

6 Freie Hansestadt Bremen. Werden, Vergehen und Wiederaufbau 1564-1947, Bre­men 1947.

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