Eß jubilire / jauchtz und singe Ein schönes Lied ein jederman
Bremisches Kasualschrifttum zum Epilog des Dreißigjährigen Krieges' Von Thomas Eismann
Das Ende des Dreißigjährigen Krieges war lür die Stadt Bremen ambiguos: einerseits gekennzeichnet durch die 1646 erlangte Reichsunmittelbarkeit, die jedoch streng genommen einen de facto seit längerer Zeit bestehenden Status lediglich de jure bestätigte, und die Anerkennung des Calvinismus als gleichberechtigter Religion, andererseits durch unübersehbare Probleme, die aus dem im Friedensinstrument bestätigten oldenburgischen Weserzoll und der Übernahme des Erzstiftes durch die nunmehrige Kontinentalmacht Schweden resultierten 1 . Bremen hatte, wenn auch durch eine gelegentlich allzu wankelmütige Neutralitätspolitik, in gewissem Umfange von den Auseinandersetzungen profitiert. Bremens Entwicklung ist zugleich ein Indiz für die durch den Krieg hervorgerufene Kräfteverschiebung innerhalb des Reiches zugunsten der vom Krieg weniger getroffenen Gebiete im deutschen Nordwesten zwischen Holstein und dem Niederrhein und zuungunsten der Territorien in einem Streifen vom Nordosten bis zum Südwesten 2 .
Die Friedensschlüsse von Münster und Osnabrück und die sich bis 1650 anschließenden weiteren politischen Handlungen waren »Medienereignisse« ersten Ranges mit einer unübersehbaren Rezeptionsdichte in Literatur, Kunst und Publizistik, um nur einige der augenfälligsten Felder zu nennen 3 . Angesichts einer derartigen Nachwirkungsdichte ist es von Reiz, lokale Rezeptionsphänomene auf Teilgebieten aufzuzeigen, zumal wenn sie bisher wenig Beachtung fanden. Im vorliegenden Fall handelt es sich um Beispiele aus dem
* Für zahlreiche Anregungen und Hinweise danke ich Hans-Wolf Jäger, Oliver Rosteck und Klaus Schwarz, alle Bremen.
1 Zur spezifisch bremischen Situation vgl. Wilhelm von Bippen, Geschichte der Stadt Bremen, Bd. 2, Bremen 1898, S. 329ff. ; Herbert Schwarzwälder, Geschichte der Freien Hansestadt Bremen, Bd. 1, Bremen 1975, S. 318 ff. ; Hartmut Müller, Das Linzer Diplom, in: Brem. Jb. 74/75, 1995/96, S. 15-28. Der allgemeine Kontext bei Fritz Dickmann, Der Westfälische Frieden, 4. Aufl., Münster/Westfalen 1977, zu Bremen die Verweise S. 610 (Register).
2 Vgl. zum Überblick Konrad Repgen, Dreißigjähriger Krieg, in: Theologische Realenzyklopädie, Bd. 9, Berlin, New York 1982, S. 169-188; Gerhard Schormann, Der Dreißigjährige Krieg, Göttingen 1985.
3 Zu vielfachen Beispielen vgl. Der Westfälische Frieden (Katalog der Ausstellung im Stadtmuseum Müster 11. 3.-30. 11. 1988), hrsg. v. Hans Galen, 2 Bde., Greven 1987.
153