Jahrgang 
Band 69 (1990)
Seite
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Der Wiederaufbau der bremischen Häfen nach dem Zweiten Weltkrieg aus technischer, hafenwirtschaft­licher und hafenpolitischer Sicht *

Von Karl Marten Barfuß

I. Einführung: Bremen als Seehafen, Abgrenzungen, Zäsuren

Hafenstädte haben im allgemeinen, bedingt durch die Natur eines Seehafens, ähnliche Strukturen, Triebkräfte und Interessen; im einzelnen aber zeichnen sie sich durch bemerkenswerte Vielfalt und höchst individuelle Merkmale aus, die in den Bedingungen ihres Hinterlandes, der Anbindung an das bin­nenländische Verkehrsnetz und ihrer ureigenen Entwicklungsdynamik be­gründet sind.

Der Hafen war und ist Bremens Lebensnerv. Die Lage an einem Ort, der Seeschiffen ein weites Eindringen ins Hinterland erlaubt (Bremen ist der süd­lichste deutsche Seehafen), erweist sich bis heute als entscheidender Stand­ortvorteil der Stadt. Wichtige Faktoren, die vergleichbaren Ballungszentren zu wirtschaftlicher Bedeutung verhalfen, fehlen in Bremen: dichte Besied­lung des Hinterlandes, Behörden und Infrastruktur einer Hauptstadt, eigene Rohstoffvorkommen, Knotenpunkt im Binnenlandverkehr. Deshalb hätte sich Bremen ohne seinen Seehafen kaum über das Mittelmaß einer Provinz­stadt emporheben können.

Der Seehafen förderte in Bremen über die Jahrhunderte den Aufbau von Märkten für bestimmte Importgüter (beispielsweise Baumwolle, Kaffee, Holz) und einen regen Eigenhandel durch bedeutende Handelshäuser. Er ermög­lichte Bremen auch den wenn auch späten Anschluß an die Industriali­sierung durch Errichtung rohstoffverarbeitender und exportorientierter In­dustrien. 1 Und schließlich war es der Seehafen, der Bremen die politische Selbständigkeit als Stadtstaat im eigenen wie im gesamtstaatlichen Interesse sicherte.

War der Hafen anfänglich vor allemHilfsbetrieb für den eigenen Han­del" 2 , so begann der Hafenumschlag mit Beginn der Industrialisierung die

* Erweiterte Fassung eines Vortrags, den der Verfasser anläßlich der von der Universi­tät Hamburg veranstalteten Wissenschaftlichen TagungHafenentwicklung im Nordseeraum" am 22. September 1988 in Hamburg gehalten hat.

1 Die Phase dynamischer Industriegründungen setzt in der Stadt Bremen erst 1888 mit dem Zollanschluß der Hansestadt ein. Zuvor hatten bremische Kaufleute vor­zugsweise im preußischen und oldenburgischen Umland Bremens (Blumenthal, Hemelingen und Delmenhorst) bedeutende rohstoffverarbeitende Industrien mit enger Hafenbindung gegründet.

2 Bürgermeister Jules Eberhard Noltenius am 27.9.1957 in einem Vortrag vor der Ge­sellschaft zur Förderung des Verkehrs e.V. überHäfen und Außenhandel"; in: Staatsarchiv Bremen (künftig: StAB) 4,35-3295.

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