Jahrgang 
Band 59 (1981)
Seite
109
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Anmerkungen zur Frage nach der ursprünglichen Gestalt des frühromanischen Domes zu Bremen

Von Werner Ueffing

Während der Restaurierungsarbeiten im Bremer Dom 19761979 wurde der Verfasser bei der Maueruntersuchung des südlichen Kreuzarmes hinzu­gezogen. Die vorübergehend vom Putz befreite Innenseite der Südwand des Querhauses zeigte ein kleinschichtiges Bruchsteinmauerwerk in wechselnden Schichthöhen, das gelegentlich mit Raseneisenerz und Kalksinter durchsetzt war. Es erwies sich bis zum Rundbogenfries unterhalb der Fenster als homo­gener Bestandteil des aufgehenden Mauerwerkes.

über dem spätromanischen Fries springt das Mauerwerk erheblich zurück, denn die Innenwände von Querhaus und Chor wurden im 13. Jahrhundert nach oben hin abgeschält, damit ein Umgang angelegt werden konnte, der vom Mittelschiff über die Kreuzarme zum Chor hinführte.

Im erhalten gebliebenen Außenmauerwerk der West- und Ostwand des südlichen Kreuzarmes sind neben den Fenstern des 13. Jahrhunderts noch die Spuren der alten frühromanischen Fenster zu erkennen (Abb. 1 u. 2). Der südliche Querhausgiebel ist erneuert worden, denn auf einer aller­dings sehr unvollkommenen Zeichnung von 1759 besitzt der südliche Kreuzarm kein Satteldach mehr, sondern ein Pultdach 1 .

In der Südwand des Querhauses befindet sich ein spätromanisches Portal (Abb. 6). Seine Existenz mag der Grund gewesen sein, daß sowohl A. König 2 als auch S. Fliedner 3 eine Innenverblendung der Südwand des Kreuzarmes in der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts in ihren Grundrißzeichnungen ver­merkten. Eine derartige Verblendung hat aber nicht stattgefunden. Der nach­trägliche Einbau des Portales in einen älteren Mauerkern ließ sich nämlich an Ort und Stelle deutlich ablesen, denn die Paßstücke zwischen den Portal­leibungen und dem anschließenden Mauerwerk bestanden vorwiegend aus rheinischem vulkanischem Tuff, der sonst im Mauerverband nicht vorkam. Aus dem gleichen Material waren das schlichte Türbogenfeld und eine ab­schließende Rollschicht über dem Portal. Die beiden 2,30 m langen monolithen

1 Rudolf Stein, Romanische, gotische und Renaissance-Baukunst in Bremen, Bre­men 1962 (Forschungen z. Gesch. d. Bau- u. Kunstdenkmäler in Bremen, Bd. 2), S. 65, Abb. 53.

2 Arno König, Die mittelalterliche Baugeschidite des Bremer Domes, Bremen 1934, Grundriß.

3 Siegfried Fliedner, Der frühromanische Dom zu Bremen, in: Der Bremer Dom, Bremen 1979 (Hh. d. Focke-Museums, Nr. 52) (zit. Fliedner 1979), S. 10.

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