Heinekens Park
Zur Geschichte eines Bremer Vorwerks
Von Wilhelm Lührs
Von den Parks und Gärten, die das bremische Landgebiet einst aufwies, haben sich nur wenige bis in die Gegenwart behaupten können. Unersetzliche Schönheiten der Natur, die ihre Existenz der Vorliebe wohlhabender Bürgerfamilien für das Landleben verdankten, sind der Verstädterung der alten Dorfschaften und ihrer Feldmarken zum Opfer gefallen. Um so erfreulicher ist es, daß mit Heinekens Park in Oberneuland die wohl bedeutendste, in ihren Grundstrukturen noch immer hinreichend erkennbare Anlage dieser Art vollständig erhalten blieb. Die südwestliche Ecke des gut 4 ha großen Areals nimmt ein — heute allerdings nur noch teilweise — streng architektonisch geformter Garten ein, dessen Mittelpunkt ein von kunstvoll geschnittenen, über 6 m hohen Hainbuchenhecken eingefaßter elliptischer Platz bildet, der Achsen von 50 und 40 m Länge hat. Der übrige Park ist mit Gruppen von einheimischen und exotischen Gehölzen, gewundenen Wegen und zwei Teichen im lockeren, waldparkartigen Landschaftsstil gehalten. Die enge Verbindung einer offenbar älteren regelmäßigen („französischholländischen") mit einer jüngeren malerischen („englischen") Anlage läßt den Park als ein kulturgeschichtliches Denkmal erscheinen, das die Entwicklung der Gartenkunst im 18. und im frühen 19. Jahrhundert eindrucksvoll dokumentiert.
Alter und Schöpfer des Parks sind Gegenstand mancherlei Mutmaßungen gewesen. Sicher tat man der Heckenanlage allzuviel Ehre an, wenn man — noch 1934 — glaubte, kein Geringerer als der Begründer und Meister des französischen Gartenstils, Andre Le Nötre (1613—1700), habe sich ins bremische Hollerland begeben, um sie zu gestalten 1 . Zurückhaltender hatte sich Senator Dr. Gerhard Caesar (1792—1874) geäußert, als er im hohen Alter eine Geschichte seines Rockwinkeier Guts verfaßte, in der er auch das Oberneulander Anwesen erwähnt. „Dieses Vorwerk fiel [1762] dem Hofrat
Der Verf. dankt den Herren Ltd. Gartenbaudirektor Berndt Andreas, Prof. Dr. Dieter Hennebo, Institut für Grünplanung und Gartenarchitektur der Universität Hannover, und Dr. Hans Hermann Meyer für wertvolle Hinweise und Anregungen. Herr Dr. Hermann Heineken gestattete freundlicherweise die Veröffentlichung der in seinem Besitz befindlichen Pläne.
1 Hermann Entholt, Das Landgebiet, in: Franz Buchenau, Die Freie Hansestadt Bremen, 4. Aufl., Bremen 1934, S. 409.
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