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Die Kamorra Neapels
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weltliche Musik im alten Leipzig

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ein kurzes formelhaftes Zwiegespräch zwischen ihm und dein Viertelsmeistcr, und auf die Frage, warum er diese Versammluug beautragt habe, erfolgt die Antwort:Meister, das Herz hat mich getrieben, in dieses Haus zu kommen, um Euch zu fragen, ob in der vslla sooistü. rikurmak^ ein Platz wäre, den ich ausfüllen könnte, wenn dadurch weder Ihr noch diese meine Obern gestört werden." Nach einer ablehnenden Antwort des Viertelsmeisters sagt der Postulcmt die weitere Formel:Meister, ich verstehe, daß die Gesellschaft mich für untauglich hält, da sie nicht weiß, wie ich gesinnt bin; aber wenn Ihr, die Sekretäre und die vier Vorgesetzten mir die hohe Ehre verschafft, zu dieser Kölla sovistz. i-jfm'mg.t>3. zu gehören, so werde ich Euch beweisen, daß ich allein nr mich imstande bin, der gesamten Rotte der Quästnr den Weg zu verlegen." Daraufhin wird dem Postulauteu bedeutet, daß seine Fähigkeiten überzeugend nachgewiesen seien, und er küßt darauf dem Meister und den Rechtssitzenden, dann wiederum dem Meister und den Linkssitzenden die Hand. Gefragt, warum er dem Meister zweimal die Hand geküßt habe, bemerkt er:Ich habe Euch zweimal geküßt, weil Ihr zwei Stimmen habt, eine uach rechts und eine nach links; und Ihr seid ein Mann von hoher Ehre, von der Gesellschaft ausge­wählt, Recht zu geben, wein es zukommt, und Unrecht zu geben dem, der es verdient." Der Postulcmt darf dann die in Strafe liegenden Mitglieder der uutersten Stufe der Gesellschaft losbitten, was gewährt wird, und dann sagt der Meister mit großer Feierlichkeit:Von diesem Augenblick an gehört Ihr zur Klasse der FiovaiioUi onorM (wörtlich: geehrten Jünglinge) und seid aufgenommen in die untere Gesellschaft der Demut. Unsre bölla sooists, ritur- niatÄ legt Euch Jünglingen auf: 1. ench gegenseitig zu lieben; 2. demütig und ergeben gegenüber den Alten und den Vorgesetzten zu sein; 3. Friedens­stifter zu sein, wenn nnter den Genossen Streit entsteht; 4. die Steuern für die Kamorristen zu erheben, ohne etwas zu unterschlagen; 5. niemand zu offeubaren, was in der Gesellschaft vorgeht. Wer diesem Gesetze zuwiderhandelt, wird nicht nur aus der schönen Gesellschaft ansgestoßen, sondern kann auch, gemäß der Schwere der Schuld, zum Tode verurteilt werden." Nach einigen weitern formelhaften Redensarten wird der neugebackne ssiovanotw onoinw entlassen. (Schluß folgt)

Weltliche Musik im alten Leipzig

(Schluß)

! s läßt sich aus Maugel an Quellen nicht mehr nachweisen, welchen ! Anteil Leipzig an einer der eigentümlichsten Schöpfnngen des spätern europäischen Mittelalters, an der Entwicklung mehrstimmiger Musik bis zum Ende des fünfzehnten Jahrhunderts gehabt hat. Genug, daß das mehrstimmige, besonders das drei- und das vier­stimmige Lied des fünfzehntem Jchrhnnderts, wie es z. B. aus dem unter Loch- heimers Namen gehenden nürnbergischen Liederbuch bekannt ist, auch in Leipzig