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II. Kamerun. D. Victoria.
D. Victoria.
(Berichterstatter: Marine-Stabsarzt Dr. Waldow.)
I. Allgemeiner Teil.
Für den Sanitätsdienst bei den Gouvernementsangehörigen und Arbeitern standen außer dem Eegierungsarzt 4 farbige Heilgehilfen zur Verfügung. Auf den großen Pflanzungen des Bezirks wird die ärztliche Hilfe z. T. von geprüften, europäischen Heilgehilfen, z. T. von Laien und farbigen Hilfskräften geleistet. Ende November 1905 wurde von der Westafrikanischen Pflanzungsgesellschaft Victoria ein Zivilarzt angestellt. Anfang 1906 wurden die farbigen Heilgehilfen des Gouvernements dem Medizinalreferenten behufs einheitlicher Organisation unterstellt. Gleichzeitig erfolgte die Gründung einer Sanitätskolonne, welche den Zweck hat, die Maßnahmen des Regierungsarztes behufs Vernichtung der Krankheitserreger und der die Krankheit übertragenden Insekten zu unterstützen.
Hand in Hand damit gingen umfassende Vorarbeiten zur Trockenlegung des hinter Victoria gelegenen Sumpfes. Im November wurden etwa 100 Bakwiriarbeiter damit beschäftigt, den denselben deckenden dichten Busch wegzunehmen. Es mußten gegen 4000 z. T. sehr große Bäume gefällt werden. Hier, wie an anderen Stellen, zeigte sich, daß Wind und Sonne erst dann austrocknend wirken können, wenn der Pflanzenwuchs entfernt ist. Die tropischen Pflanzen saugen mittels ihres Wurzelwerks das Wasser aus den tieferen Schichten des Bodens und beherbergen in Hohlräumen oft noch meterhoch über dem Boden Wasser, das unter Umständen eine verderbliche Moskitobrutstätte werden kann. Soweit die Mittel reichen, wurden sumpfige Stellen aufgeschüttet und niedrig gelegene Teile von Straßen erhöht. Der nicht in Angriff genommene Teil des Sumpfes wurde seit Februar von der Sanitätskolonne regelmäßig mit Petroleum übergossen. Die Schulstraße wurde erhöht und mit Kanalisation versehen. Durch den Einbau der Hausanschlüsse sind in den Beamtenwohnungen Wasserklosetts und Badeeinrichtungen geschaffen worden. Es ist nunmehr möglich, die eisernen Regentanks zu entfernen, in denen trotz aller Reinigungen sich häufig die Larven der Stegomya, der Gelbfiebermücke, und der Anopheles fanden. Im nächsten Jahre wird voraussichtlich das Netz der Wasserleitung vergrößert wer-