Mehrteiliges Werk 
Brief von Caroline Christiane Louise Rudolphi an Dorothea Focke, 26.03.1807
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transkribiert von Moderau, Evelyn

Heidelberg. d. 26. Merz 1807.

Endlich auch wird ein paar Zeilen an Doris, an die geliebte Doris, die seit Weih-
nachten nichts von mir erhielt. Die Ursach, warum ich meinen entfernten
Freundinnen so lange ohne Nachricht ließ, ist leicht zu finden, da Doris
weiß, daß der zweite Theil des Erziehungsgemäldes zwar nicht diesen
Winter entstanden, aber doch zum Drucke fertig gemacht wurd.
Jetzt kan̅ er in kurzem die Presse verlassen, und dan̅ erhält meine
liebe Doris ihn entweder noch mit oder doch bald noch diesen -
1, u liest ihn, wie ich hoffe, mit nicht minderer Freude, wie den ersten;
du er ist mit nicht geringerer Liebe und Freude geschrieben.
Also wieder neue Hohung2? u seid ihr him̅lischen hold dieser Hohung3 wie
der ersten ! Wirds ein Mädchen, ja dann muß dies zeigen, was
eine Mutter vermag, der selber eine günstige Jugend zu Theil wurd.
Sehr bald wolltest du nach deinem kurzen Brieflein vom 24. dz. u. weitläuf-
tiger schreiben - es ist aber nichts erfolgt. Und auch von der unbegreiflichen Meta
nicht - Von Wilhelmine hatte ich im Febr. einen recht langen Brief der
des Gemälde ihrer harten 4 drangsale enthielt. O wie hat die
ganze Gegend so schrecklich gelitten und wie leidt sie noch, und alle meine
Angehörigen in Verden mit ihr. Auch Gustchens Briefe lauten sehr
sehr traurig : sie schreibt von allen am fleißigsten, und kan̅ weder Freude
noch Schmerz, weder sagen noch hassen, ohne mir über das alles ihr
treues Herz ganz auszuschütten. Wirklich 5 ich selten noch ein ähn-


  1. nicht erkannt 
  2. Vermutung, nicht sicher 
  3. siehe 2 
  4. nicht erkannt 
  5. nicht erkannt