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Die russische Hungersnot und das internationale Hilfswerk
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Die russische Hungersnot und das internationale Hilfswerk

von einein Neutralen

wischen den kaukasischen Bergen, dem Kaspischen und dem Schwarzen Meer und der Wolga, ans einem Gebiet von annähernd 700 000 Quadratkilometern, einem Gebiet, das etwa dreimal so groß ist als das Deutsche Reich, wütet seit Wochen eine Hungersnot, wie sie die Welt in einem solchen Umfange wohl kaum jemals erlebt hat. Dreißig Millionen Menschen, Russen, Deutsche, Tartareu hungern, sie ernähren sich notdürftig von Gräsern und Baumrinden, sie fallen massenweise der Hunger­cholera und anderen Seuchen zum Opfer oder sie verkommen in furchtbarstem Elend.

Der äußere Grund der Hungerkatastrophe ist eine Mißernte, von der die einst getrcidereichsten Gebiete Rußlands betroffen worden sind. Während diese vor der Revolution etwa eine Milliarde Pud Getreide zu liefern pflegten, beträgt in diesem Jahr die Ernte knapp 150 Millionen Pud. Sie reichen kaum zur Bestellung der Acker für das nächste Jahr. Die Mißernte bildet jedoch nur den äußeren Grund des Hungerelends, seine wirklichen Ursachen liegen tiefer. Die Hungerkatastrophe an der Wolga ist das Ergebnis der wahnwitzigen Mißwirtschaft, in die die kommunistische Regierung das Land in den vier Jahren ihres Bestehens gestürzt hat. Mißernten waren auch im alten Rußland nichts Seltenes, aber es gab bei der Größe des Landes doch wenigstens die Möglichkeit, die fehlenden Mengen durch Zuführen aus anderen Gegenden zu decken. Heute fehlen dazu alle Voraussetzungen.

Als die ersten Hilferufe aus Sowjetrußland durch die Welt gingen, setzten überall Hilfsaktionen ein. Ihre wichtigsten sind, abgesehen von den vielen kleineren Organisationen der Arbeiterschaft in den verschiedeneu Ländern und den Spenden einzelner Staaten das rein sanitäre Hilfswerk des Deutschen Roten Kreuzes, dieAmerican Relief Association", die Hilfsaktion des Internationale» Roteu Kreuzes und das sogenannte internationale, in Wirklichkeit interalliierte Hilfswerk des Obersten Rates. Alle diese Hilfsorganisationen stützten sich im allgemeinen auf das Allrussische Hilfskomitee, das am 23. Juli in einer Art Panikstimmung der Regierungskreise mit deren Einverständnis auf Veranlassung bürgerlicher Kreise gebildet worden war. Es bestand aus Mitgliedern aller Parteirichtungen und hatte das Recht. Abordnungen ins Ausland zu entsenden.

Die Hilfsaktion des Deutschen Roten Kreuzes hat ihre Tätigkeit im Hunger- gebiet bereits aufgenommen. Sie beschränkt sich nur auf die Bekämpfung von Seuchen. Eine finanzielle Hilfeleistung oder Unterstützung mit Lebensmitteln und Textilien kommt deutscherseits nicht in Frage. Ärztlicher Leiter der Expedition ist der bekannte Hamburger Hygieniker Professor Dr. Mühlens. Als Operations­basis dient der Expedition das deutsche SanitätsschiffTriton" in Petersburg, dos die Expedition dorthin gebracht hat und nach den neuesten wissenschaftlichen Erfahrungen ausgerüstet ist. Wie sich die Arbeit der Expedition im Innern Rußlands gestalten wird, bleibt örtlichen Erfahrungen vorbehalten. Autos und